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Jules-Vernes-Musical in der Alten Oper Frankfurt: 20 000 Meilen unter den Möglichkeiten

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Von: Judith von Sternburg

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Fabian Harloff (Verne), Claude-Oliver Rudolph (Nemo). Foto: Shooter
Fabian Harloff (Verne), Claude-Oliver Rudolph (Nemo). Foto: Shooter © Harry Castioni/Shooter

Wenigstens interessante Tiere: Ein Jules-Vernes-Musical hat in der Alten Oper Frankfurt Premiere

Jules Vernes „20 000 Meilen unter dem Meer“ ist ein Jugendlieblingsroman und Kapitän Nemo für viele Menschen eine frühe Flamme. Schon damals war klar, dass Nemo weder aussah wie James Mason noch wie Omar Sharif, eher schon wie der Mitschüler A. – woran man hätte merken können, dass Jules Verne 1869/70 ein Kopfkino in Gang setzte, das bis heute funktioniert, aber, wie das Wort schon sagt, im Kopf. Zugleich will es raus aus dem Kopf und groß ins Bild, jedoch ist die Fantasie womöglich größer als Leinwand oder Bühne.

Jedenfalls, um auf den Punkt zu kommen, ist sie weitaus größer als das, was das nagelneue Musical „20 000 Meilen unter dem Meer“ bietet, für das die Aufführung in der Alten Oper Frankfurt jetzt eine Art Premiere war. Vorher gab es schon Vorpremieren, nun geht es weiter in etliche Hallen, dabei wirkt das alles noch unfertig. Hilflos erscheint vor allem die Dramaturgie, die an den Rändern der Geschichte herumstochert, während das fünfköpfige Ensemble nebst zweier sympathischer stummer Langhaarmatrosen und der Musiker in der Gegend herumstehen muss. Die beiden über Eck gestellten Leinwände, die es richten müssen, begnügen sich mit allgemeinen computeranimierten Fantasy-Arealen. Weder Bild noch Musik sind darauf eingestellt, das spektakuläre Abtauchen der Nautilus und ihr Durchgleiten der Tiefseewelt angemessen zu markieren. Man kann froh sein, dass zwischendurch interessante Tiere vorbeischwimmen. Als der Riesenkrake allerdings die Leinwand verlässt und auf die Bühne schlenkert, sieht er oben aus wie Urmel und unten wie ein extralanger Türritzenabdichter. Ein Nahkampf mit einem extralangen Türritzenabdichter, da geht mehr.

Der Kapitän ist Claude-Oliver Rudolph, der in Wolfgang Petersens „Das Boot“ den Heizer Ario spielte. Die Musik stammt von Ingo Hauss und Hayo Lewerentz, die an den Bühnenrändern lässig die Tasten drücken – der verbliebene Teil des Musikprojektes U96, das den „Das Boot“ Soundtrack Klaus Doldingers einst für eine Techno-Nummer nutzte.

Das Rätsel Nemo

Die Musik macht auch immer noch etwas her, die Instrumentalnummern allemal, die Gesangsnummern laborieren an schlagerhaften Texten. Aber das wäre alles nicht schlimm, wenn die Dramaturgie und mit ihr das Drama Fahrt aufnehmen könnten. Dass Nemo ein Rätsel bleibt, wäre im Sinne Jules Vernes, aber nicht, dass er eine onkelchenhaft aussehende und mit Donnerstimme schimpfende Randfigur bleibt. Aber auch Jules Verne als Erzähler und seine kleine Reisegruppe sind blutarm. Die Beteiligten suchen Hilfe zuweilen bei der Ironie, das ist vernünftig

Da es sich in jedem Fall um U-Boote handelt, werden Ausschnitte aus „Das Boot“ gezeigt. Es erinnert daran, wie akribisch Petersen vorging. Akribie ist das letzte, was sichtbar wurde. Umso schärfer der Eindruck, dass die Beteiligten mit der Verpflichtung zum Schauwert und kraftvollen Erzählen, nicht fertig wurden.

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