Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Aus der Performance „Was ich nicht weiß, macht mich heiß“.
+
Aus der Performance „Was ich nicht weiß, macht mich heiß“.

Schauspiel Frankfurt

Jugendclub „Was ich nicht weiß...“: Die Angehörigen, die fehlen

  • VonAndrea Pollmeier
    schließen

Der Jugendclub des Schauspiels Frankfurt untersucht: „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß“.

Was ich nicht weiß, macht mich heiß“: Der Drang nach neuem Wissen hat, wie es der Titel des Jugendclub-Stücks verspricht, in den neuen Räumen des Jüdischen Museums nahezu explosive Energie entfaltet. Pausenlos treiben acht junge Mitwirkende im Alter zwischen 14 und 24 Jahren ihre Zuschauerinnen und Zuschauer durch die Etagen der Dauerausstellung. Immer wieder bleiben sie an Orten stehen, die Erinnerungen wachgerufen oder Fragen provoziert haben.

So zum Beispiel vor dem 2004 entstandenen Video „Kascher, Kascher Kascher“ der Künstlerin Ruth Schreiber, das eine Frau bei der rituellen Reinigungszeremonie zeigt. „Warum gelten Frauen als unrein?“ fragt Joy Owie empört. „Eigentlich sind alle monotheistischen Religionen frauenfeindlich.“ „Das hätte ich mich hier nicht zu sagen gewagt“, antwortet spontan Asya Karakale, die im Raum über „Kunst und Tradition“ neben ihr steht.

Der Satz bleibt im Sinn, als beide zur Diskussionsgruppe eilen, die sich im Bereich der „Gegenwart des Tempels“ versammelt hat. Vor einem Wandteppich hat sich auf dem Boden ein Sitzkreis gebildet. Eine Geborgenheit ausstrahlende Stimmung ist hier entstanden, so dass ähnlich offen wie zuvor weiter diskutiert werden kann: „Muss die Erlösung durch einen Messias nicht für alle Menschen gelten?“ fragt beispielsweise Jason Löffler in die Runde.

Die jugendliche Gruppe, die im Rahmen des Projekts „Young & Expert“ am Schauspiel Frankfurt unter der Regie von Martina Droste die Performance in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum entwickelt hat, ist auf unterschiedlichste Weise geprägt. „Was ist uns allen gemein?“ ist eine Frage, die sie umtreibt. Um das herauszufinden, hat jede und jeder den eigenen Familienstammbau aufgeschrieben.

Daria Kesselmann hat dabei festgestellt, wie schwer es für sie ist, die russischen Angehörigen dort einzufügen. „Ich habe Leerstellen gelassen“, erzählt sie, denn Verbundenheit entstehe durch Kontakt. Dieser fehle jedoch, seit sie in Deutschland lebt. Thulfiqar Ziyara ist im Irak geboren. Er berichtet, wie wichtig für ihn die Comicfigur Batman geworden ist. Er galt ihm als Kämpfer für Gerechtigkeit in einer Umgebung, in der Familienangehörige durch willkürliche Anschläge zu Tode gekommen waren.

Feinfühlig reagieren die Jugendlichen auf Regeln und Rituale, die ausgrenzende Wirkung haben können, offen spüren sie den aufkeimenden Emotionen nach. Szenen, die dem Zuschauer wie spontan erscheinen, sind sorgfältig vorbereitet. Das zeigt ein künstlerisch bearbeiteter Videomitschnitt von Maman Salissou Oumarou. Er gibt Backstage-Einblicke in früher geführte Diskussionen. Die dort besprochenen Inhalte tauchen nun im Szenenwirbel der Performance wieder auf, ohne aufgesagt zu wirken.

Assoziativ werden so beispielsweise Gedanken zu dem Kunstwerk „The Glory and the Misery Of Our Existence“ (2018/2020) von Nir Alon ausgetauscht und mit eigenen Gedichtzeilen verbunden. Nir Alons Installation aus Möbeln und Licht, in der Tische und Schränke wie zum Abtransport aufeinandergestapelt sind, bewahrt so als Teil der Dauerausstellung eine lebendige Präsenz.

Schauspiel Frankfurt , Jugendclub im Jüdischen Museum: 3., 5., 12. Juli. www.schauspielfrankfurt.de

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare