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Jeremy Wade singt, krächzt, plappert. Foto: Ayla Pierrot Arendt/Nadia Perlov
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Jeremy Wade singt, krächzt, plappert.

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Jeremy Wades neue Show im Digitalen Mousonturm: Einsame Pelikan-Diva

  • vonMarcus Hladek
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Jeremy Wades Show „Lost at Sea with Puddles and Sunny“.

Ist das noch exzentrische Kunst, der das Ästhetische zumindest unterhaltsam in die Binsen geht, oder schon purer Schrott? Knapp zwei Stunden dauert im Digitalen Mousonturm Jeremy Wades Auftritt unter dem Titel „Lost at Sea with Puddles and Sunny“, was mit „Auf See verloren mit Puddles und Sunny“ zu übersetzen wäre, und fast genauso lange der Zweifel. Am wenigsten liegt das noch am rätselhaften Untertitel („Stories from The Howling Wave Form Sum“) und an einer Storyline, die sonderbar an den harmlos surrealen SciFi-Plot von Luc Besson im Film „Das fünfte Element“ erinnert.

Der seit langem in Berlin lebende Performer und Choreograf Wade spielt Puddles (Pfütze), eine ziemlich schräge Pelikandame aus Florida, auf einer Showbühne mit grausilbernem Vorhang in schöner Beleuchtung. Live begleitet von Sunny (Quintin Tolimieri) am Piano und von E-Musik, die das zunehmende Zerfasern effektvoll steigert, tritt der passionierte Tattooträger Wade dank tiefergelegter Kamera von den Männerwaden aufwärts auf und agiert in seinen gefiederten Drag-Kostümen als struppig zerfledderte, ausgebrannte und streitlustige, vor allem aber singende Vogel-Diva Puddles.

Seit Puddles 2010 in die Ölkatastrophe der Bohrplattform „Deep Horizon“ geriet und tragischerweise ihre Pelikan-Schwester verlor, ist sie ewig verdammt, in unserem digitalen Bühnen-Kreuzfahrtschiff am Ende der Zeiten ihre Show abzuliefern. Also singt und krächzt sie eine Pathos-Schnulze und Anekdote, ein betiteltes Lied oder Gedicht nach dem anderen, wirbt mal eben fürs Mexikanische Spuckturnier und füllt die verbleibenden Löcher mit Unsinnsgeplapper, um uns Passagiere vom Unterdeck bei Laune zu halten. Der Aphorismen („I open up my wallet and it’s full of blood“), LGBTQ+-Spitzen („Who does it like to be fucked in the ass?“) und leutseligen Rollensprenger („Shots and Jagermeisters for everyone!“) ist schier kein Ende.

Was Wades Solo, dessen Sinnhaftigkeit im Detail man besser nicht nachspürt, von Bessons Space-Opera-Erlösung des Universums durch Liebe und Operngesang trennt, sind Wades ätzende Bissigkeit, seine hypersensible Künstler-Verzweiflung und die ekstatischen Formen, die er sich in seiner ausgestellten Zerbrechlichkeit sucht. Tanzforumberlin sagt dazu, er erforsche „den Tod des Menschen, die Subjektivität von Zombies, seltsame Zustände des Seins und affektive Relationalität, um jene sozialen Codes zu untergraben, welche unsere Körper definieren und unterdrücken“. Komisch nur, dass das mit einer so ausgesprochenen Showform einhergeht, fast als schriebe man das Kommunistische Manifest nur in Dollarzeichen oder ließe die Heiligen in Dantes Himmel Cancan tanzen.

Die stärker installativ-konzertartige Coda eines „Act 2“, der die Botschaften forcieren will und die Semantik doch nur vollends im Signifikanten ertränkt, ändert daran wenig und hinterlässt, siehe oben, vor allem – Zweifel.

Digitaler Mousonturm: bis 15. April als Vimeo-on-Demand, Zugangstickets über www.mousonturm.de

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