Expressiv in "Love Radioactive".
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Expressiv in "Love Radioactive".

Staatstheater Darmstadt

Auf jeden Fall geht die Welt unter

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Ein „Code“ aus Oper und Tanz in Darmstadt: Stücke von der Komponistin Sivan Cohen Elias und dem Tänzer Ramon John.

Zwei Weltuntergangsszenarien, einmal als Musiktheater, einmal als Tanzstück, packt das Staatstheater Darmstadt zum dunkel murmelnden Abend „Code“ zusammen. In einer Inszenierung Corinna Tetzels in den Kammerspielen uraufgeführt wurde vor der Pause Sivan Cohen Elias’ Oper „EvE&ADINN“, in der eine Eva den Verlockungen des Konsums, dann denen des Internets erliegt, das hier eine Art Box der Pandora ist. Aber auch Eve ist möglicherweise nur eine künstliche Intelligenz, die sich einbildet, einen Sohn aus Fleisch und Blut bekommen zu haben.

Nach der Pause, in Ramon Johns ebenfalls uraufgeführter Choreografie „Love Radioactive: Eidolons Beginning“, hängt eine Gruppe von Menschen zuerst an Luftschläuchen. Es gibt eine Art Bienenkönigin fürs nervöse Völkchen, sie trägt eine schicke, insektenartige Maske (Kostüme: Linnan Zhang). Dann bleiben drei Normalsterbliche übrig, dann zwei. Mag sein, dass es für das Paar ein Weiterleben gibt.

Ein wenig angestrengt wirken beide Stücke, es raunt und dräut, es wird versucht, tiefere Bedeutung zu erzwingen. Oder vielleicht ist sie ja da und erschließt sich aber nicht so richtig.

Im kleinen Aufführungsraum spielen zunächst 14 Mitglieder des Staatsorchesters, Komponistin Sivan Cohen Elias lässt elektronisch Einfluss nehmen. Manchmal wird aber wohl auch nur so getan, als sei ein Klang bearbeitet. Saiten jammern, fiepen, Metallschüsseln kommen ausführlich zum Einsatz. Aki Hashimoto, EvE, hält sie sich auch als Tonverformer und Dämpfer nah vors Gesicht. Der Bariton David Pichlmaier ist als ADINN ein zart drohender Conférencier in silberglänzendem Jackett. In Textbrocken geht es unter anderem ums Hacken und um Quellcode.

Ramon John ist im Ensemble des Hessischen Staatsballetts und dort ein charismatischer, prägnanter Tänzer. „Love Radioactive“ zeigt ihn nun auch als recht eigenwilligen und einfallsreichen, das Schräge liebenden Choreografen. Er versteht es, Bewegungen sprechen zu lassen, geschickt ruft er Stimmungen auf. Er bevorzugt aber hier solche Körperbilder, die ein bisschen pathetisch, manchmal plakativ sind. Die hübsch wilden Kostüme tun ein Übriges, um „Game of Thrones“- oder „Alien“-Assoziationen zu wecken, etwa wenn zwei mit vielen Gurten locker aneinander gebundene Tänzerinnen auf einem Podest miteinander ringen.

Doch macht „Love Radioactive“ allemal auf ein choreografisches Talent aufmerksam.

Staatstheater Darmstadt , Kammerspiele: 15., 29. April, 5., 6. Mai. www.staatstheater-darmstadt.de

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