Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Bunt auf glänzend: die Dresden Frankfurt Dance Company in „When the Dust Settles“.
+
Bunt auf glänzend: die Dresden Frankfurt Dance Company in „When the Dust Settles“.

Dresden Frankfurt Dance Company

Jacopo Godani „When the Dust Settles“: Kein Stäubchen, nirgends

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
    schließen

„When the Dust Settles“, ein Tanzabend mit dem hr-Sinfonieorchester.

Mit dem in Frankfurt beheimateten Ensemble Modern hat der Choreograf Jacopo Godani bereits zusammengearbeitet. Für den jüngsten Abend, „When the Dust Settles“, ist es das hr-Sinfonieorchester, das nun im Bockenheimer Depot in unterschiedlichen Besetzungen und unter der Leitung von Lucas Vis Werke von Johannes S. Sistermann, Giacinto Scelsi, Ferruco Busoni, Arvo Pärt, John Taverner, Wolfgang Liebhart und Steve Reich spielt - beziehungsweise von letzterem klatscht, denn es handelt sich um dessen „Clapping Music“. Die, was den Tanz betrifft, am Ende einen Ensemble-Akzent setzen wird, einen sehr willkommenen Akzent nach dem choreografisch Immergleichen.

Schwingenartig sich nach hinten öffnende Arme. Sich vor dem Kopf verwindende Arme. Ab und zu ein Fuß, der in die Luft stößt. Zierliches Staksen. Verschiebungen des Oberkörpers. Plötzliches Zusammensacken, aber gleich wieder Aufrichten. Und wieder die Arme. Herumschieben der Partnerin. Viel mehr ist nicht an Bewegungssprache an diesem Abend, egal ob es eine Solo ist, ein Duo, ein Trio. Und egal, welches Musikstück. Freilich sind es auch alles dunkel-dräuende Trauer-Musiken, abgesehen nur vom Clapping.

Wie seltsam auch, dass der rund einstündige Abend der Dresden Frankfurt Dance Company „When the Dust Settles“ betitelt ist: Denn an Staub denkt man hier zuallerletzt. Die Tänzerinnen und Tänzer tragen farbenfrohe Hosen, silber- oder rotgoldglänzende Oberteile (Kostüme: Godani). Ihre Haare sind gegelt, die Blicke kühl, distanziert. Party people, die eigentlich keine Lust haben auf Party. Der Bühnenboden spiegelt frisch geputzt.

Hand auf den Rücken

Der Abend beginnt, indem einige Tänzerinnen und Tänzer einige Musikerinnen und Musiker von ihren Plätzen auf einer Tribüne gegenüber dem Publikum holen und über die schimmernde Bühne führen – oder eher: sanft schieben. Sie legen ihnen dazu eine Hand auf den Rücken, manche höher, manche tiefer. Die Betrachterin fragt sich: Hat das nicht in Zeiten von MeToo etwas Unangenehmes? Sind die so Geschobenen froh, als sie wieder auf ihren Platz dürfen?

Aber vor allem: zu was ist es gut in dieser Choreografie, die nur diese hilflose Verbindung zur Musik findet? Auch weil sie wie poliert wirkt, gar nichts erzählt von Tod, Schmerz und Staub. Es rattern die Rädchen wie geölt, dabei maniriert, das ist in den Stücken Jacopo Godanis immer so.

Der Italiener, der mit der Saison 2015/16 Nachfolger William Forsythes wurde, zeigt an der Oberfläche stets Geschmeidigkeit, oft auch in allerlei Verschraubungen beeindruckende Tanz-Artistik. Aber je länger man den Bewegungsfolgen zusieht, desto bedeutungsleerer erscheinen sie. Technik und Eleganz sind hier alles; es ist also, als habe Godani nie begriffen, dass auch im sogenannten „reinen“ Tanz die Art der Bewegung eine Färbung und am Ende Gefühlsqualität hat und diese an die Betrachterin und den Betrachter vermittelt. Oder eben nicht.

In „When the Dust Settles“ kommt nichts rüber außer einer großen Geziertheit, Puppenhaftigkeit. Und ganz am Ende, dank Reich und den ihre Hände so kunstfertig gebrauchenden hr-Musikerinnen und -Musikern, noch ein bisschen Munterkeit. Choreografisch ist das zu wenig.

Bockenheimer Depot , Frankfurt: 13., 23.-27. November. dresdenfrankfurtdancecompany.com

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare