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Verwischte Alter Egos.

Dresden Frankfurt Dance Company

Jacopo Godani „Alter Ego“: Das Raunen der Avatare

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Jacopo Godanis Tanzstück „Alter Ego“ sucht im Bockenheimer Depot mühsam nach Bedeutung.

Die Tänzerinnen und Tänzer tragen goldglänzende Kronen, dazu aber eine Art Strampelanzug, bei dem ein breiter Extraärmel zwischen den Beinen baumelt. Unter dem Anzug verbergen sich wohl Klötzchen, denn Schultern und Ellenbogen sind spitz, eckig, fledermaushaft. Der Choreograf Jacopo Godani hat einmal mehr die Kostüme für sein Ensemble entworfen, die Dresden Frankfurt Dance Company, und einmal mehr lässt er in seinem Jüngsten, im Bockenheimer Depot aufgeführten Tanzstück „Alter Ego“ Avatare, Maschinen, Mutanten, Aliens auftreten.

Bockenheimer Depot, Frankfurt:   4.-8., 13.-15. März. dresdenfrankfurtdancecompany.de

Nach Godanis Zusammenarbeit mit dem Ensemble Modern schien es Hoffnung zu geben, der Italiener werde sich nun abkehren vom dunklen Raunen, der bloßen Behauptung einer Bedeutung. Aber „Alter Ego“ interessiert sich so wenig für den Menschen (und die 16 tapferen Tänzer), bleibt so sehr dekorative Oberfläche, dass es fast unmöglich ist, das rund einstündige Stück (das aus einem kürzeren, in Dresden uraufgeführten entstand) nicht spätestens ab der 16. Minute grausam langweilig zu finden: Bewegungen wiederholen sich, Formationen, Darsteller gehen ab, kommen rein, gehen ab – und nie ändert sich die Atmosphäre, wagen Dramaturgie und/oder Licht (ebenfalls Godani) einen größeren Stimmungsumschwung.

Anfangs kann man meinen, es gehe in dieser Düsternis um ein Spiel mit Silhouetten. Ein Tänzer scheint keinen Kopf zwischen den spitzen Schultern zu haben. Dafür schieben sich von der Seite waagrecht Köpfe herein. Hinten springt ein kleiner Lichtbogen hin und her. Durch den Strampelanzug entstehen kuriose, zum Beispiel Körperumrisse. Wenn es dann vom Boden aufgestanden ist, trippelt das Ensemble oder stakst wie eine Storchenschar, knickt die Hände ab in der Haltung einer Gottesanbeterin, wedelt, lässt sie umeinander kreisen wie beim Faschingstanz, krallt drohend die Finger. Schließlich wird auch das Gesicht mit einbezogen, ein Auge aufgespreizt, schlangengleich gezüngelt, ein Schrei gemimt.

All das führt zu nichts. Einmal geht ein Tänzer in Schwarz von Kollege zu Kollegin, von Kollegin zu Kollege, die stürzen jeweils wie gefällt zu Boden. Etwas später stehen sie wieder auf. Und machen gleichsam da weiter, wo sie aufgehört haben. „Alter Ego“ kreiselt in sich. Aller Schwung der Ensembleszenen vertreibt nicht den Eindruck von Flächigkeit, Öde und Unentschlossenheit des Choreografen.

Wieder einmal (nach der erholsamen Ensemble-Modern-Episode) hat Jacopo Godani mit dem Komponistenduo 48Nord zusammengearbeitet, das sind Ulrich Müller und Siegfried Rössert. Und wieder einmal liefern die beiden eine fast unerträgliche Bedeutsamkeitssoße, ein elektronisches Kling Klong, Wumms, Knarz, Kratz, Quietsch. Eine Geräuschkulisse, die den Abend dann auch noch gestrig wirken lässt, denn so hat es vor Jahren geklungen, wenn ein Choreograf was Sperriges machen wollte.

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