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Islam in fünf Tagen

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Von: Sylvia Staude

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Bereit für den Imam (v.l.): Magda, Sabine, Gertrud.
Bereit für den Imam (v.l.): Magda, Sabine, Gertrud. © Bettina Müller

„Stirb, bevor du stirbst“, eine flotte, aber doch auch ziemlich schlichte Komödie von Ibrahim Amir in Mainz.

Um das Thema Ehrenmord ging es in Ibrahim Amirs erstem Stück, „Habe die Ehre“, es erhielt 2013 den österreichischen Theaterpreis Nestroy und war ein Publikumsrenner. Das Schauspiel Köln bestellte daraufhin bei dem 1984 in Nordsyrien geborenen, 2002 zum Medizinstudium nach Wien gegangenen Amir eine weitere Komödie zu heiklem Sujet; in Köln wurde dann vor einem Jahr „Stirb, bevor du stirbst“ uraufgeführt. „Als Syrer darf ich eben bestimmte Sachen, die Österreicher oder Deutsche nicht dürfen“, sagt der Autor nun im Programmheft des Mainzer Staatstheaters zur Frage, ob man über den Dschihadismus scherzen sollte. Im Kleinen Haus hat jetzt K. D. Schmidt das hochaktuelle (gerade gab es Zahlen zu den jungen Leuten, die von Deutschland aus in den Dschihad ziehen), andererseits komödiantisch stark vereinfachende Stück inszeniert.

Das Personal: eine alleinerziehende Krankenschwester, Sabine (Anna Steffens), deren Sohn gerade 18 geworden ist. Ihre vergesslich werdende Mutter Gertrud (Andrea Quirbach). Eine nagelneue Mietkasernennachbarin, Magda (Lilith Häßle), die irgendwo herkommt, wo man Arabisch spricht, und von einem promiskuitiven Schwaben geschieden ist. Ein ziemlich hilfloser Ermittler (Sebastian Brandes). Ein Imam (Murat Yeginer), der dem Westen mangelnde Familienwerte vorwirft, der aber, wie sich herausstellen wird, selbst geschieden ist und sich zu wenig um seinen Sohn Mustafa gekümmert hat. Mit ihm ist Sabines Sohn, kaum 18, gleich in den Dschihad gereist. Da kommt ihr die fremde Nachbarin dann doch noch recht, denn selbstverständlich möchte Sabine ihn zurückholen.

Der Komödienwitz soll sich hier aus einem Zusammenstoß der Vorurteile ergeben, das tut er aber nur eingeschränkt. Zu klischeehaft, zu flach sind die Figuren, zu klar verteilt die Rollen: Die fremdenfeindliche, auch überforderte Mutter, die die Hilfe derjenigen braucht, die sie gerade noch rausgeworfen hat; der fromme Schwindler; die scheinbar fanatischen Buben („Islam in fünf Tagen“), die dann doch nur auf einem friedlichen Sufi-Workshop waren; die leicht demente, aber famos tatkräftige Oma.

Regisseur Schmidt lässt in einem naturalistischen Wohn-/Esszimmer (Ausstattung: Valentin Köhler) und dann auf einem (Moschee-)Teppich flott spielen und ziemlich dick und munter auftragen. Eine Feinzeichnung gibt der Text auch nicht her, er setzt auf schnelle Zuspitzungen und zügige Enthüllungen. Die Eskalation wird am Ende noch durch einen kurzen Moment der Utopie getoppt: Da sind sie alle freundlich zueinander, begegnen dem Fremden mit Offenheit. Das wäre schön, gewiss.

Staatstheater Mainz: 30. November, 11., 17., 21. Dezember. www.staatstheater-mainz.com

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