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Intendantinnen für Wiesbaden: Die Zukunft ist eine Doppelspitze

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Von: Judith von Sternburg

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Dorothea Hartmann. Foto: Deutsche Oper Berlin
Dorothea Hartmann. Foto: Deutsche Oper Berlin © Bernd Uhlig

Dorothea Hartmann und Beate Heine sollen am Staatstheater Wiesbaden gemeinsam die Nachfolge von Uwe Eric Laufenberg antreten.

Ohne besondere Verzögerung haben Stadt und Land angekündigt, wer zur Saison 2024/25 die Nachfolge des scheidenden Wiesbadener Intendanten Uwe Eric Laufenberg antreten wird: Dorothea Hartmann und Beate Heine sollen das Theater künftig als Doppelspitze führen, wie die hessische Kunstministerin Angela Dorn (Grüne) und der Wiesbadener Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) am Dienstag mitteilten.

Dorn wies darauf hin, dass Hessen mit der (Frauen-)Doppelspitze am Landestheater in Marburg bereits gute Erfahrungen gemacht habe. Dieses Führungsmodell verspreche eine gute Lösung für den Neustart und die Zukunft des Staatstheaters. Hartmann und Heine seien „in ihren jeweiligen Fachgebieten in der Theaterlandschaft schon seit vielen Jahren hoch angesehen und bestens vernetzt. Jetzt können sie ihre jeweiligen Stärken in der Leitung eines großen Mehrspartenhauses in idealer Weise zusammenführen“. Die Findungskommission sei von ihrem „innovativen künstlerischen Konzept mit einer ausgeprägten zeitgenössischen Handschrift“ ebenso überzeugt wie von ihrem „Bekenntnis zum Ensembletheater“ und ihren „frischen Ideen für ein starkes Wirken in die Stadt“.

Zur künstlerischen Doppelspitze Hartmann / Heine wird sich wie gehabt Holger von Berg als Geschäftsführender Direktor gesellen. Die beiden Frauen sollen zunächst einen Fünf-Jahres-Vertrag erhalten. Sie bekannten sich am Dienstag zum „Prinzip des Dialogs“ und zum „Theater als Ort der Kommunikation, für eine diverse Stadt und Region – und im Austausch mit der internationalen Szene“.

An dieser Stelle kann man zwar fragen, was sie auch sonst sagen sollten. Die Grundentscheidung ist in Wiesbaden trotzdem besonders interessant, wo Laufenberg das Hausherrenprinzip durchaus ausgereizt hat. Unzufriedenheiten vor allem seitens des Orchesters drangen immer wieder an die Öffentlichkeit. Generalmusikdirektor Patrick Lange hatte wegen „künstlerischer Differenzen“ mit dem Intendanten vorzeitig seinen Vertrag gelöst (wie bereits sein Vorgänger Zsolt Hamar). Schon das hatte Ministerin Dorn ostentativ bedauert.

Die hochproblematische Ausstrahlung von Laufenbergs (im Nachgang als „persönliche Stellungnahme“ deklarierten) Corona-„Solo-Diskursen“ auf der Internetseite des Staatstheaters war von der Politik an der Oberfläche weitgehend mit Stillschweigen bedacht worden. Am Haus hingegen, wo vor allem die Kollektive sich mit ihren Corona-Sorgen übergangen fühlten, sorgten sie für vermehrte Unruhe (ein sichtbares Symbol dafür war dann der von Laufenberg kühn angesetzte „Ring“, der schließlich nur mit Klavierbegleitung über die Bühne gehen konnte). Streit über das Hygienekonzept führte später zu einer kurzfristigen Einstellung des Spielbetriebs.

All das dürfte die Lust, die Gespräche über eine Vertragsverlängerung mit Laufenberg aufzunehmen, nicht vergrößert haben. Tatsächlich führte das dann zum Schwur: Die Verhandlungen begannen nicht wie geplant, und im September 2021 erklärte Laufenberg in einem offenen Brief an die Ministerin, nun stehe er dafür auch nicht mehr zur Verfügung: „Ihr lautes Schweigen kann ich mir nur so erklären, dass Sie nicht reden wollen.“ Dorn verwies auf „einen Fehler in der Terminierung“, für den sie sich persönlich entschuldigt habe. Aber sie legte sich nun auch nicht direkt ins Zeug, Laufenberg umzustimmen.

Dorothea Hartmann gehört seit 2012 zum Leitungsteam der Deutschen Oper Berlin, wo sie unter anderem die Spielstätte „Tischlerei“ etablierte und leitete. Als Dramaturgin arbeitete sie beispielsweise mit Marie-Eve Signeyrole, Christof Loy und Claus Guth, als Librettistin schrieb sie Stücke für Kinder und Jugendliche. Angefangen hat sie der Pressemitteilung zufolge in Mannheim und Linz, 2006 kam sie als Opern- und Konzertdramaturgin nach Hannover.

Die Hamburgerin Beate Heine war als Dramaturgin und später auch in leitenden Funktionen an verschiedenen Theatern tätig, darunter an der Schaubühne in Berlin, am Thalia Theater in Hamburg, am Staatstheater Dresden und am Schauspiel Köln. Aktuell ist sie Stellvertretende Intendantin am Deutschen Schauspielhaus Hamburg. Vor ihrer Theaterzeit hat Heine den Angaben zufolge als Journalistin und Autorin gearbeitet.

Durchgesetzt haben sich die beiden in einem mehrstufigen Verfahren gegen rund 40 Mitbewerberinnen und -bewerber, darunter waren 15 Teambewerbungen, wie Dorn und Mende mitteilten, die der insgesamt elfköpfigen Findungskommission vorsaßen.

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