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In Kay Voges’ „Inferno“.
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In Kay Voges’ „Inferno“.

Oper Frankfurt

„Inferno“-Film: Im Glotz-Sog

  • VonBernhard Uske
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Ein Film gibt Einblicke in die szenische Seite des Frankfurter Opernprojekts „Inferno“

Ein Mummenschanz als Dante-Aktualisierung und als Bebilderung der wegen Corona bis dato bilder- und szenenlos gebliebenen Oper Lucia Ronchettis, die den Titel „Inferno“ des ersten Teils der „Göttlichen Komödie“ Dante Alighieris trägt. Jüngst erst konnte das Werk der 1963 geborenen Italienerin als Gemeinschaftsproduktion von Schauspiel und Oper Frankfurt uraufgeführt werden – konzertant lediglich.

Im Zuge der geplanten Inszenierung von Kay Voges und Marcus Lobbes war aber bereits filmisches Material entstanden, das, von der Regie jetzt versehen mit der Tonspur aus der Oper, zu einem Film verarbeitet wurde. Uraufgeführt wurde dieser nun im Bockenheimer Depot. Ein Möchtegern-Splatterfilm, der den Charme einer grimassierenden Pseudo-Quälerei und lebensweltlicher Verrottung atmet. Wie man sich in der bildertrunkenen Hölle der Medientotalität die Hölle zu visualisieren versucht. Mit viel Wunden-Schminke, Elends- und Monsterfiguren, etwas Plüschfigurenkitsch und Travestie in einem engen Wohnkontext, den man sich als aktuellen Prekariatsbehälter denken kann.

„Die Hölle, das sind die anderen“ scheint Pate gestanden zu haben. Allerdings nicht in der abgründigen Perspektive Sartres, aus dessen Werk „Huit clos“ von 1944 die Sentenz stammt, sondern in der Biederkeit eines gespaltenen Bewusstseins: nicht man selber natürlich, sondern die Kaputten, die Kleinbürger, die in den „Plattenbauten“ als zeitgenössische Hölle, die der Regisseur als Erklärung tatsächlich sich nicht entblödet in einem Interview zu erwähnen. Die „Geschlossene Gesellschaft“ der drei Sartre-Figuren wäre ein guter und auch einen selber treffender Ansatz gewesen; auch die filmische Auseinandersetzung Peter Greenaways (1993) sowie die Filme von Henry Otto (1924) und Henry Lachman (1935), die allesamt gewichtige und gesellschaftsbezügliche Inferno-Verfilmungen geliefert haben.

Immerhin nutzt Voges nicht nur seine eigenen Bildideen, sondern auch Ausschnitte aus dem ersten Dante-Inferno-Film der Geschichte – von 1911, den Francesco Bertolini und Adolfo Padova in einem jugendstilig-gruseligen Nazarener-Look drehten. Dazu Überblendungen mit Ausschnitten der Frankfurter konzertanten Produktion, die dank der beachtlichen Lautstärke dem Schicksal filmischen Hintergrundrauschens zwar entgeht, aber dem Glotz-Sog der bunten und bewegten Schatten auf der Leinwand nicht konsistent Paroli bieten kann.

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