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Lasst Liebesbriefe flattern: Maria Munkert und Felix Mühlen in "Wie es euch gefällt" in Wiesbaden.
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Lasst Liebesbriefe flattern: Maria Munkert und Felix Mühlen in "Wie es euch gefällt" in Wiesbaden.

Staatstheater Wiesbaden "Wie es Euch gefällt"

Immer wieder Spieler

Schirin Khodadadians Wiesbadener „Wie es Euch gefällt“ fehlt die eine, zwingende Inszenierungsidee für ein tausendmal gespieltes Stück.

Von Grete Götze

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Wenn Judith Bohle als Rosalind, nur angestrahlt von Scheinwerfern, mit tiefer Stimme und leuchtenden Augen den vertriebenen Orlando fragt: „Wie heißt Du, junger Mann?“ Dann ist das ein wunderbarer Bühnenmoment. Einfach, klar, der Moment, in dem sich zwei Menschen ineinander verlieben.

Bohle, eine starke, schöne Frau und neu im Ensemble, trifft in der Wiesbadener Inszenierung von „Wie es Euch gefällt“ auf Felix Mühlen, den ewig jugendlichen Helden, bislang in Mainz. Ihre Begegnung inszeniert Schirin Khodadadian, ebenfalls neu am Haus. Die Bühne der Wiesbadener Nebenspielstätte Wartburg hat sie umbauen lassen, die Zuschauer sitzen längs des Geschehens, um einen schwarzen Laufsteg herum. Das Publikum sitzt nie ganz im Dunkeln. Die Nähe zu den Schauspielern, die vor den Füßen unterm Steg hervorklettern, ist fast unheimlich, der Blick zu den gegenüber platzierten Zuschauern unvermeidlich.

Herzöge, Narren, Schäfer

In dieser Umgebung inszeniert die Regisseurin Shakespeares Komödie auf Basis von Thomas Lodges Schäferroman „Rosalynde“. Der Wald von Arden, in dem die um ihr Erbe betrogenen Liebenden Rosalind und Orlando aufeinander treffen, ist bevölkert von gestürzten Herzögen, Narren und Schäfern. Es ist eine ländliche Gegenwelt, in der die Gesetze der Gesellschaft ausgehebelt sind.

In Wiesbaden besteht dieser Wald aus fahrbaren Scheinwerfern. Keine Überraschung, schließlich lautet der berühmteste Satz des Stückes „Die ganze Welt ist eine Bühne, und alle, Männer, Frauen sind nur Spieler.“ Der Zuschauer soll also sehen, dass hier gespielt wird. So darf alles auf die Bühne, was das illusionistische Spiel ausmacht und der öden realen Welt enthebt: Tüll und Nebel, Konfetti und Musik. Dabei entstehen schöne Bilder und Momente, etwa im Zusammenspiel von Maria Munkerts Celia mit Judith Bohles Rosalind, gemeinsam auf dem Klavier sitzend. Auch die gaukelnden Auftritte von Neuling Lukas B. Engel machen Lust auf Orte jenseits der Realität, in denen alles erlaubt ist. Warum das aber bedeuten muss, dass Michael Birnbaum als Clown wie Narr eine alberne Mütze aufhat und Arme in Hinterteile steckt, um dem Zuschauer dann seine stinkende Hand hinzuhalten oder Stefan Graf als Spielführer Jaques sein „Lanzerl“ in Form einer vor sich gehaltenen Bank zeigt, erschließt sich nicht und ist plattester Humor.

Mit glühenden Wangen

Der Abend funktioniert da, wo er das Verliebtsein als eine (bisweilen alberne) Inszenierung ausstellt. Wenn Felix Mühlen mit glühenden Wangen Liebesbriefe über das Publikum flattern lässt, um seine Angebetete zu erobern, dann zeigt sich der jugendliche Wahnsinn, den es braucht, um diese Welt zu verändern. Einiges ist beim gut zweistündigen Abend aber auch unklar. Zum Beispiel der Wechsel von moderner und shakespearescher Sprache. Oder wann das Publikum direkt angesprochen wird und wann es keine Rolle spielt.

Es bleibt der Eindruck, dass der Regisseurin die eine Idee gefehlt hat, warum sie dieses tausendfach gespielte Stück auf die Bühne bringt. Denn dass wir nur Spieler sind, das wissen wir auch ohne angeleuchtet zu werden.

Staatstheater Wiesbaden: 23., 24., 25. September.

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