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Wer beachtet die, die im Souffleurskasten stecken?
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Wer beachtet die, die im Souffleurskasten stecken?

Zaungäste im Mousonturm

„Im Internet gibt es keine Mädchen“: Hass auf den Hass

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Eine Tirade von Susanne Zaun und Marion Schneider im Frankfurter Mousonturm.

Eine charakteristische Handschrift tragen die Stücke von Susanne Zaun, Marion Schneider und dem „zaungäste“-Ensemble: Die Akteurinnen treten als Chor auf, auf eine Chorführerin wird verzichtet. Die Frauen sprechen entweder gemeinsam oder reichen die Sätze und Halbsätze gleichsam weiter. Ab und zu hat eine von ihnen ein kleines „Solo“, aber die chorischen Sequenzen überwiegen. Die Texte bekommen dadurch einerseits mehr Gewicht, wirken andererseits fast zeremoniell. Das Unerhörte in ihnen wird eingehegt.

Diesmal zum Beispiel das Wort „Kackbratze“, der „Sturm aus Scheiße“, die „humorlosen Fotzen“, die „den Stock aus dem Arsch“ nehmen sollen. Denn das jüngste Stück von Zaun/Schneider/zaungäste, das jetzt im Frankfurter Mousonturm seine Uraufführung hatte, trägt den Titel „Im Internet gibt es keine Mädchen. Eine Tirade“ und stellt die Frage, wer unter welchen Umständen und auch mit welchen Reaktionen gehört – oder eben auch nicht gehört wird.

Die Choreutinnen (ASJA, Judith Altmeyer, Ekaterine Giorgadze, Katharina Runte, Isabelle Zinsmaier) sitzen in muschelüberwölbten Souffleurskästen. Und irgendetwas scheint irgendwem stets nicht recht zu sein: Die Fünf fürchten, mal zu schrill, mal zu hoch, zu laut oder zu piepsig zu sein. Sie werden ganz vergessen. Oder ihre Dienste werden für selbstverständlich genommen. Aber wehe, sie kommen mal zu spät. Da müssen sie doch einfach einen Wutanfall bekommen. „Diesen Wutanfall habe ich jetzt!“, sagen sie dann.

Aber lustigerweise wird es erstmal still (abgesehen von leise abgespielter Lounge-Musik) für eine Art lässiger Pantomime. Man richtet sich nämlich vor der Muschel häuslich ein, mit Tee und Keksen auf einer Etagere, die freundlich weitergereicht wird, mit einer Feder im Tintenfass, einem Trinkhorn (tatsächlich). Die Akteurinnen besuchen sich, zwängen sich bei der Nachbarin dazu, plaudern. Oder sortieren den Krempel in einer Plastikbox.

Es dauert eine ganze Weile, es sie nach und nach in Verkleidung und mit Werkzeug in der Hand herauskriechen (Kostüme: Nora Schneider): Eine als Pullunder-Langweiler, eine als glatzköpfige Diva in Pink, Schnürltränen laufen ihr aus den Augen, eine weitere mit einer Rundum-Lockenperücke, die ihr bis über die Knie reicht. Motto: „Die Geschlechter wechseln wie die Unterwäsche.“

Wie viele Hoffnungen einst darauf gesetzt wurden, dass sich im World Wide Web jeder und jede wird äußern können, ohne dass es um Alter, Aussehen, Geschlecht geht. Was für ein Irrtum. Der weibliche Teil der Welt wird nun nicht mehr nur auf Straßen, in Wohnungen, im Büro drangsaliert, sondern genauso schlimm und mit noch weniger Hemmungen im Internet. Aber soll sich Frau deswegen ein Katzenbaby kaufen und posten?

Und wo bleibt der Wutanfall, aus Hass auf den Hass? Die Tirade gegen die Hasstiraden im Netz? Nun, ein kleiner Katzenbaby-Roboter muss am Ende dran glauben, wird mit dem Hammer erschlagen, bis er nichts mehr sagt und auch nicht zappelt.

Mousonturm , Frankfurt: 3., 4. und 5. Dezember. www.mousonturm.de

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