„Das Licht“

Der illegitime Präsident

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T. C. Boyle, mit seinem neuen Roman auf Lesereise, macht höchst temperamentvoll Station im Frankfurter Schauspiel.

Der Autor T. C. Boyle ist einer, der einen Auftritt hat; mit Recht steht er im Ruf eines Popstars der Literatur. Gerade ist er wieder auf Tour, mit seinem neuen, noch vor dem Erscheinen in den angloamerikanischen Ländern in Deutschland veröffentlichten Roman „Das Licht“ (FR v. 2./3. Februar). Das Frankfurter Schauspiel, wo er auf Einladung des Literaturhauses gastierte, war schnell ausverkauft. Der Siebzigjährige, befragt von dem Journalisten Martin Scholz, zeigte sich im Gespräch ausgesprochen schlagfertig und originell. Manchem Stand-up-Comedian würde man das wünschen.

Immer wieder beschäftigt Boyle sich mit Gurufiguren. Ihr Leben fasziniere sie, außerdem interessiere er sich für den Beweggrund ihrer Anhänger – was an „Das Licht“ abzulesen ist, denn dieses Sittengemälde der aufkeimenden Hippiebewegung ist aus der Perspektive von Angehörigen des „inneren Kreises“ um den Drogenguru Timothy Leary erzählt. Die deutschsprachigen Texte trug der famose Schauspieler Christoph Pütthoff mit agiler Einlässlichkeit vor.

Die derzeitige neue Drogenwelle in den USA? Es brauche Jobs, die Arbeit aber werde zunehmend von den Robotern übernommen. „Ich wäre nach zwei Wochen Junkie, wenn ich meine Arbeit nicht mehr machen dürfte.“ Boyles umtriebige Aktivitäten auf Twitter? „It’s all a joke, a kind of performance art.“ Er gehe durch sein Leben und setze das ins Internet. Freilich gelte es, Auszeiten von den Robotern zu nehmen, die unser Leben kontrollieren. Lesen, in die Natur gehen.

Donald Trump? „Ein illegitimer Präsident.“ Schließlich gebe es viel Protest, wie beispielsweise den Women’s March. „Dieses Regime wird sehr bald zu Ende sein.“ Boyle sprach von einem „verrückten Bürgerkrieg“: Er selbst sei das Problem, weil er es sich nicht vorstellen könne, mit der anderen Seite in Kontakt zu kommen.

Auf Scholz’ Frage, was Boyle wohl täte, wenn Trump nach seiner Präsidentschaft mit einem eigenen Buch zur gleichen Zeit wie er auf der Frankfurter Buchmesse auftreten würde, erwiderte der Schriftsteller, das könne nicht passieren. Trump werde nach seiner Präsidentschaft im Gefängnis sitzen. Da muss T. C. Boyle selbst lachen.

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