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Titelheld und sehnende Braut: Aaron Cawley und Cristiana Oliveira. Foto: Karl und Monika Forster
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Titelheld und sehnende Braut: Aaron Cawley und Cristiana Oliveira.

Oper

„Il trovatore“ am Staatstheater Wiesbaden: Der wahre Liebhaber

  • VonBernhard Uske
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Giuseppe Verdis „Il trovatore“ am Staatstheater Wiesbaden, optisch stilisiert, musikalisch stark.

Die Neuproduktion von Giuseppe Verdis „Il trovatore“ in Wiesbaden ist ein Abend von Rolf und Marianne Glittenberg: jenes Bühnen- und Kostümbildnerehepaar, das seit Jahrzehnten auf ebenso stimmige wie atmosphärisch dichte Weise an wichtigen Inszenierungen beteiligt ist. Und, da sich die Dimension der Regie oft auf projektive Pseudo-Aktualisierung der Opern-Inhalte beschränkt, eine immer größere Bedeutung für die Wirksamkeit der optischen Seite der Aufführungen bekommen hat.

S o ist es auch jetzt im Großen Haus des Staatstheaters. Ein Einheitsbühnenbild, das eine Raumflucht darstellt, dessen ornamentale Verzierungen in ihrer Ambivalenz von Schmuck und blutfleckigem Zerfall sogleich auffällt. Nach hinten offen und im Deckenabschluss mit einer herausgebrochenen Öffnung bietet sie Ausblicke, aber auch Verdeckungsmöglichkeiten. Dazu kommen als zentrales Ausstattungselement Plastikfolien als Schleier, als Abdichtungs- und Isolierungsmaterial, aber auch als fluider, in der Luft gut schwebender Stoff.

Eine Stehlampe ohne Schirm mit zwei gelben Leuchtbirnen fungiert als dingliches Leitmotiv, das zu unterschiedlichen Zwecken bis hin zum Schwertersatz auch aktiv Funktion gewinnt. Die zentralen Figuren sind schlicht und charakteristisch kostümiert. Die gegeneinander kämpfenden Kollektive der Rivalen um Leonora – des Troubadours Manrico und des Grafen – in jeweils einheitlichen Looks. Aufseiten des eifersüchtigen Grafen alle Männer biedermännisch, westenbeleibt und schiebermützenbehütet. Die Gegenseite, das Kollektiv um die Tochter der einst als Hexe verbrannten Frau, als Skelette verkleidete Männer und Frauen. Gevatter-Tod-Assoziationen in schwarz-karnevalesker, prozessionsartiger Strenge. Distanz und Bezug zum sentimentalen Romantizismus des auch als Schmonzette verstehbaren Opernstoffs. Seine das bürgerliche Gemüt der damaligen Zeit nährende Mischung aus Schauer, Heißblut und Liebesqual wird kühl getroffen.

Regisseur Philipp M. Krenn hält sich eher zurück. Aber die ewig gleiche Androphobie, sobald Männerchöre auf der Bühne erscheinen (brutalistisch, transvestitisch, sexistisch, zündelnd, brüllend), muss offensichtlich sein. Ansonsten werden liebgewordene Verzopfungen des Regietheaters im Leidens- und Elendsdunstkreis kaum bedient. Entscheidend sind szenografische Konzentrationen auf den Kernbestand des Handlung. Also Verzicht auf große Duelle, Nonnen-Prozession (stattdessen ein schwebendes Bild der Bräute Christi versammelt unter der Deckenöffnung) und Kerkerrealismus.

Durch die Stilisierung im Optischen gewinnt die Musik. Was die Leistung Alexander Joëls mit dem blendend spielenden Hessischen Staatsorchester Wiesbaden ins rechte Licht rückt. Kein Giuseppe Knatterton, sondern ein farbiger, fließender Bilderbogen, der alle Facetten des Komponisten bietet. Exzellent der Chor. Bei den Solisten hatte der Troubadour Aaron Cawleys mit dem Tonsitz zu kämpfen, war die Leonora Cristiana Oliveiras im ersten Teil nahe am Belcanto, der Mezzo der Azucena Jordanka Milkovas eindringlich und wunderbar plastisch. Überragend an herrischer, aber auch liebeseifernder, rasender Stimmlichkeit der Bariton Aluda Todua als Graf von Luna. Ein Tatbestand, der den erklärten Bösewicht der Oper zum wahren Liebhaber der gesamten Schauergeschichte macht.

Staatstheater Wiesbaden: 30. September, 30. Oktober, 12., 21. November. www.staatstheater-wiesbaden.de

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