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Frankfurt

Ihre Liebe und seine

Sam Shepards „Fool for Love“, puristisch und anrührend in den Landungsbrücken.

Das schnickschnacklose, das Schauspieler-und-sonst-nichts-Theater, es ist längst nicht so marginalisiert, wie seine Anhänger manchmal klagen. Selbst die Frankfurter Landungsbrücken, eine experimentierfreudige Versuchsanstalt der freien Szene, geht und gibt immer wieder auch den klassischen Erzähl- und Spielgelüsten nach.

Diesmal in einer Inszenierung von Boris C. Motzki. Sam Shepards „Fool for Love“ ist ein zunächst etwas grobkörniges Konversationsstück, das auf eine spektakelige, aber auch ergreifende Pointe hinsteuert: Bei dem Pärchen, das sich hier zankt und quält, das echt Probleme hat, das gar nicht mehr zusammen ist und doch nicht voneinander los zu kommen scheint, handelt es sich um Halbgeschwister, die sich ineinander verliebten, bevor sie von ihrer Verwandtschaft erfuhren. Eine naturgemäß sehr vereinzelt, aber nicht nie auftretende Volte des Schicksals, die theoretisch jeden betreffen kann. István Vincze und Carolin Freund zeigen so auch völlig normale Leutchen, die aus ihrer Verstörung trotz des zeitlichen Abstands nicht mehr herausgekommen sind. Keine Spur von Manieriert- oder Versnobtheit in dieser Variante des Wälsungenblut-Motivs. Ihre Bemühungen, normal zu sein, sind verzweifelt und anrührend: auf der als Laufsteg gestalteten Bühne, wo Vincze und Freund unheimlich konzentriert bei der Sache sind, zunächst auch geduldig abwartend, bis Leonard Cohens „Treaty“ verklingt, dann verhalten leidend, leiderprobt, nicht mehr zu überraschen; im Leben, wo sie mit einem anderen Jungen ausgehen möchte und er windige Frauenbekanntschaften pflegt oder vielleicht vortäuscht (gerade indem er sie leugnet).

Nikolaus Weber, ihre Verabredung, wird buchstäblich zur Seite geschoben von der selten laut werdenden, umso druckvolleren Wucht der Gefühle, auch vom Erzählen, dem der Junge nicht gewachsen ist. Aus dem Off kommt die Stimme des gemeinsamen Vaters, und es ist die rauchige von Edgar M. Böhlke, die sich einen schamlosen Hauch von Gemütlichkeit gönnt. Wohin ihr entkommen? Die Geschwister und ihr Regisseur wählen einen originellen Ausweg. Weitere Spieltermine sind in Planung.

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