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"Gods and Dogs"

Der Hund der Vergänglichkeit

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Mit zwei getanzten Deutschlandpremieren gehen die Wiesbadener Maifestspiele zu Ende. Von Sylvia Staude

Es ist in der englischsprachigen Welt eine kleine Geschichte in Umlauf - keine Ahnung, wer sie erfunden hat -, wonach Gott den Hund schuf, damit Adam nicht mehr so allein spazieren gehen muss. Das Tier an seiner Seite, der treue Begleiter sollte Erinnerung sein an die Liebe Gottes. Deswegen ist sein Name, Dog, das Palindrom von God. Der Choreograf Jirí Kylián mag die Geschichte kennen oder nicht, in seinem Ende vergangenen Jahres uraufgeführten Stück "Gods and Dogs" wird ab und zu ein geisterhafter, wölfischer Hund auf den Bühnenhintergrund projiziert - und haben die Menschen nur sich selbst.

Mit "Gods and Dogs" sowie Choreografien des Duos Lightfoot/Leon und des Israelis Ohad Naharin beendete die Juniortruppe des Nederlands Dans Theaters (NDT II) jetzt das Tanzprogramm der Wiesbadener Maifestspiele. Für das Bayerische Staatsballett schuf Kylián kürzlich eine abendfüllende Choreografie, die er gleichsam wattiert hatte.

Die Wiesbadener Deutschlandpremiere zeigt ihn nun als Meister der kürzeren Form: In den 25 Minuten von "Gods and Dogs" herrscht Klarheit und Überlegtheit in jeder Bewegung. Auf der leeren, hinten mit einem Faden-Vorhang begrenzten Bühne, entsteht trotz aller Abstraktion eine Atmosphäre von Wehmut und Vergeblichkeit - besonders, wenn sich in Beethovens 1. Streichquartett ein ominöses Donnergrollen drängt.

Kylián handelt ein ums andere Mal und auch in "Gods and Dogs" die großen Menschheitsthemen ab, allen voran Vergänglichkeit und Tod. Die NDT-Gewächse Paul Lightfoot und Sol León haben seine elegant fließende Handschrift verinnerlicht, gehen damit aber eigenwillige Wege. "Passe-Partout" jedoch (zu Musik von Philip Glass), jetzt in Wiesbaden ebenfalls als Deutschlandpremiere zu sehen, enthält arg viele Seltsamkeiten: Eine herrische Frau mit Schleppe, ein junger Mann, der vor sich hin brabbelt, ein junges Mädchen, mit dem nicht sehr nett umgegangen wird, ein auch sonst rätselhaftes Treiben rund um ein Riesen-Portal, das man für den Eingang zu einer Königsresidenz halten könnte (Ausstattung: Lightfoot/León). Ungewiss, ob hier eine Hamlet-Geschichte erzählt werden soll. Oder vielleicht gar nichts Bestimmtes.

Zehn Jahre alt ist Ohad Naharins "Minus 16", auch damals schon war es nicht ganz frisch: Naharin recycelte Teile anderer seiner Stücke. Doch unfehlbar reißt das "Minus 16"-Medley das Publikum hin, es ist charmant, witzig, munter und enthält Musiktitel von der emotionalen Durchschlagskraft von "Somewhere over the rainbow". Zuschauer werden auf die Bühne geholt - immer ein sicherer Auslöser für Heiterkeit beim Rest des Publikums.

Die Rezensentin aber würde am liebsten immer nur einen "Minus 16"-Teil sehen: Den Halbkreis der auf Stühlen sitzenden Tänzer, ihre Entfesselung zu einer Rock-Version des traditionellen Pessachfest-Liedes "Echad Mi Yodea" (Wer kennt einen?). Einfach perfekt ist in dieser Choreografie die Balance zwischen Abstraktion und Andeutung, zwischen Ausgelassenheit und Todesahnung.

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