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Sophie mittendrin. Das Musical "Mamma Mia!" gastiert in der Alten Oper Frankfurt.

"Mamma Mia" in Frankfurt

Honey, honey, küss mich länger

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Schwer zu widerstehen: „Mamma Mia!“ als Festtagsmusical in der Alten Oper.

Mamma Mia!“ mit deutschen Liedtexten, man muss sich erst wieder daran gewöhnen, dass die ersten Hits des Lebens Schlager waren. „Honey, honey, halt mich enger, honey, honey, küss mich länger.“ – „Wenn wir uns sehen, Darling, hör mich flehen, S.O.S., steh nicht daneben, rette mir das Leben, S.O.S.“. Das ist das eine, das etwas hart ist.

Das andere ist die quietschige Lebensfreude, die auf einer Musical-Bühne sehr sicht- und hörbar gemacht werden muss, damit niemand verpasst, wie erwartungsfroh die jungen und halbwegs junggebliebenen Leutchen sind, die zur Hochzeit von Sophie und Sky angereist sind. Sie quietschen auch nicht nur, sondern haben sich länger nicht gesehen und viel zu sagen. Und alles in groß. Wenn man selbst jetzt lieber sofort drei, vier schmucke Abba-Lieder hören würde, ist das auch etwas hart. Zum Beispiel lockt schon früh im instrumentalen Gewusel „Gimme! Gimme! Gimme!“ als Intro unserer Träume, aber so schnell wird das nichts werden.

Da muss man durch, dann wird alles gut, jedenfalls besser. Die Festtags-Musicals in der Alten Oper Frankfurt lassen sich nie besonders lumpen. Die Szene spielt auf einer von den Problemen des Rests der Welt offenbar abgeschnittenen griechischen Insel, symbolisiert durch das himmlisch blaue Meereswogen auf dem noch geschlossenen Vorhang. Donnas Taverne besteht dann aus leicht nach hier und dort zu lenkenden Bauteilen, eine geschmackvolle Umgebung, naturgemäß nicht mit den Schauwerten eines Frank-N.-Furter-Schlosses.

Auf der Insel hat man neben einer Menge Arbeit offenbar eine Menge Spaß. Schnorchler-Paraden tanzen allerliebst vorüber, elastische und zugleich stählerne junge Männer und Frauen betrinken sich in der Nacht vor der Hochzeit hemmungs- und reuelos. Die ältere Generation ist weniger elastisch und stählern, war dafür aber jung, als es Abba noch gab (eine Sache, die immer schwieriger zu vermitteln ist, da Abba-Hörer der ersten Stunde inzwischen ins Großelternalter wechseln). Es müssen wilde Zeiten gewesen sein. Im Fall der jungen Sophie, Tochter der aus Prinzip unverheirateten Donna (im Film von 2008 die wunderbare Meryl Streep, in der Frankfurter Premiere die sympathisch unsentimentale Sabine Mayer), kommen drei Männer als Väter in Frage.

Aus ihrem von der Tochter – Katharina Gorgi, der man das unmöglich verübeln kann – recht skrupellos eingefädelten Auftritt zur Hochzeit, zu der auch Mamas alte Freundinnen und Sophies neue Freundinnen angereist sind, schlägt die Geschichte nicht gerade sprühende, aber freundlich komödiantische Funken. Vor der jeweils eigenen Warte schaut man dabei zu, wie die einen auf ihr Leben zurückblicken (wobei sie nun auch nicht so alt sind, wie sie einem früher vorkamen) und die anderen über ihr künftiges Leben nachdenken (wobei sie kindlicher sind, als sie einem früher vorkamen). Auch das ist vielleicht etwas, das sich auf einer großen Bühne schwieriger zeigen lässt: Die Selbstironie, die mit großen Gesten schneller in eine Clownsnummer übergeht.

Schwer widerstehen kann man den glamourösen Retro-Auftritt Donnas und ihrer Freundinnen als Damenband, die jetzt wirklich aussehen wie zu Abbas Zeiten. „Mamma Mia!“ ist keine Kostümschlacht, aber es wird einiges aufgefahren an Discoeinteilern.

Aus dem Hintergrund donnert eine Combo (musikalische Leitung: Aday Rodriguez Toledo), wobei die Gesangsnummern auf ihrer zarten Beweglichkeit bestehen und sich die Musiker dann auch zu beherrschen wissen. Das Lichte, das schamlos Optimistische eines Abba-Liedes, hier nimmt es überzeugend Gestalt an. Die Texte versteht man auch gar nicht so gut. Vom Publikum aus wären mehr Zugaben denkbar gewesen, aber die Tanzenden, Singenden und Quasselnden haben bereits fast drei Stunden getan, was sie konnten. Ein Knochenjob.

Alte Oper Frankfurt: bis 12. Januar.
www.alteoper.de

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