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Rémond Theater "Das Haus"

Hinter den Fassaden des Mittelstands

Zur Spielzeiteröffnung: Brian Parks’ „Das Haus“ als Uraufführung im Frankfurter Fritz-Rémond-Theater.

Von Stefan Michalzik

Eine alte Anordnung. Zwei Ehepaare treffen zusammen, die Fetzen fliegen, Paar gegen Paar, Partner gegen Partner, wie in Edward Albees modernem Klassiker ,,Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“, oder zuletzt bei Yasmina Reza in ,,Der Gott des Gemetzels“.

Der New Yorker Dramatiker Brian Parks, Jahrgang 1963 und Leiter des Kulturressorts des linksorientierten Stadtmagazins „The Village Voice“, schickt in seinem Stück ,,Das Haus“ erneut zwei Paare des gehobenen Mittelstands in die Arena – unter den Vorzeichen der politischen Korrektheit; die Uraufführung ist im Frankfurter Fritz-Rémond-Theater zu sehen, die flüssige Übersetzung geht auf Vater und Sohn Peter und John von Düffel zurück.

Zahnarzt und Hausfrau versus Mann aus der Finanzbranche und Rechtsanwältin: Die einen wollen eine Familie gründen, darum haben sie das in einer Vorstadt gelegene Haus gekauft; die anderen haben dort ihre Kinder groß gezogen, sie wollen in eine kleinere Wohnung ziehen und ihr Haus, wie man so sagt, ,,in gute Hände geben“.

Alkohol nach dem Notartermin

Nach dem Notartermin setzt man sich zusammen, es fließt Alkohol, die Sache entgleist, ständig tritt jemand ins Fettnäpfchen. Wechselseitig werden die Berufsstände geschmäht und der Geschmack.

Das Bewusstsein um das ,,Gesetz“ der politischen Korrektheit geht einher mit dem gelebten Verstoß dagegen. Es kommt viel hoch an schwelenden Konflikten. Stichwort: ,,Die Affäre mit dem Briefträger“.

Das ist prall vollgestopft – um so erstaunlicher, dass es sich schleppt, bei immerhin ein wenig gesteigerter Turbulenz nach der Pause, als offenbar wird, dass die neuen Besitzer sich das Haus natürlich nach eigenem Dünken herrichten – und aus Perspektive der alten damit zerstören – wollen.

Man merkt, was angestrebt worden ist: Der Blick hinter die Fassade des Mittelstands. Da klingt was an mit Judentum und religiöser Toleranz schlechthin. Es geht um Ressentiments gegen Homosexuelle und offen-latenten Rassismus. Von der guten Sorte, heißt es, seien die afroamerikanischen Nachbarn, ,,wie die Schwarzen in der Fernsehwerbung“.

Dieses Stück mag das stärkste nicht sein, ein Potenzial aber steckt schon drin. Die Schauspieler – Ilona Wiedem und Reinhard von Hacht als altes Paar, Verena Wengler und Stefan Schneider als bemerkenswert späte Familiengründer – machen ihre Sache routiniert. Der Regisseur Peter Kühn winkt das Stück mal eben so durch, er lässt die Schauspieler allein, schemenhaft allenfalls zeichnen sich die Figuren ab – unakzentuiert wirkt der Abend und verschenkt.

Fritz-Rémond-Theater, Frankfurt: bis 19. Oktober. www.fritzremond.de

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