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„Himmlische Zeiten“ im Fritz Rémond Theater Frankfurt: Nur ein bisschen Panik auf der Titanic

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Von: Judith von Sternburg

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„Himmlische Zeiten“, hier auf der langen Bank. Foto: Martin Sigmund
„Himmlische Zeiten“, hier auf der langen Bank. © MARTIN SIGMUND

„Himmlische Zeiten“ im Frankfurter Rémond-Theater.

Und dann wird man alt, und dann stirbt man, selbst wenn man nie eine Zigarette geraucht hat. Man ist eine ganze Weile älter und später noch mal deutlich älter. Man stirbt, weil niemand ewig lebt. Und obwohl es bei Abermilliarden bereits so gewesen ist, wird der einzelne von diesen Vorgängen ohne Witz überrumpelt. Der Mensch ist natürlich informiert, aber er fühlt es nicht in sich selbst. Sonst wäre es wohl auch nicht auszuhalten.

Weil es nichts hilft

Schöner und klüger ist es selbstverständlich, darüber zu lachen. Die Revue „Himmlische Zeiten“ gibt Gelegenheit dazu. Sie ist der dritte Teil des Frauenquartett-Projektes, nach „Heiße Zeiten“ und „Höchste Zeit“ wird es jetzt gewissermaßen Ernst. Die jüngste bekommt zwar noch ein Kind, die älteste aber bereits Alzheimer, die dritte verabschiedet sich von ihren Karriereplänen, die vierte stirbt. Es ist trotzdem lustig und sympathisch, das große Es-hilft-ja-Nichts, das über dem Abend schwebt, geht auch nicht ins Sarkastische, sondern eher ins Abgeklärte. Da es nichts hilft, sollte man allemal das Beste daraus machen.

V on Tilmann von Blomberg ist das Buch, von Carsten Gerlitz sind die recht kecken musikalischen Arrangements – den Komplizierte-Apparate-Song legt er zum Beispiel auf die Melodie von „Wonderful World“, so dass es total schräg ist, aber gewissermaßen auch wieder passt („don’t no much about history ...“). Katja Wolff führte Regie für die tourende Produktion, die jetzt im Frankfurter Fritz Rémond Theater zu sehen ist.

I ris Schumacher als „Die Hausfrau“, Franziska Becker als „Die Karrierefrau“, Heike Jonca als „Die Vornehme“ und Laura Leyh als „Die Junge“ sind dabei hemmungslos Typen (darum sind die wechselnden Besetzungen sicher unauffällig). Dazu befinden sie sich in einer unwahrscheinlichen Gesamtsituation, und trotzdem nimmt man es ihnen ab. Es kann im Großen und Ganzen nicht so sein, aber im Detail kommt es hin. „Die Karrierefrau“ ist zur Verjüngung in einer Klinik für Schönheitschirurgie, von Cary Gayler peppig ausgestattet. Trotzdem ein gespenstischer Ort, denn die Klinikleitung schert sich nicht um die Sterblichkeit, die ist ihr sozusagen wurscht. „Die Hausfrau“ kommt sie besuchen, man kennt sich lange, versteht sich gut. „Die Vornehme“ und „Die Junge“ tauchen hingegen eher willkürlich hier auf. Egal.

Es wird gesungen (gar nicht wie im Musical, sondern ein bisschen wie aus der Lamäng und doch fein) und getanzt (Choreografie: Andrea Danae Kingston), es wird geheult, gegickelt, gehadert, herumdiskutiert, und es werden viele Pläne entworfen. Frauen unter sich, immer krass und sehenswert.

Fritz Rémond Theater im Frankfurter Zoo: bis 15. Mai. www.fritzremond.de

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