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Handtaschen und (geisterhaft schwebend) ihre heimlichen Bewohner.

Kindertheater

Im Himmel wird weitergespielt

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Michael Endes „Ophelias Schattentheater“, zauberhaft im Frankfurter Theaterhaus.

Wenn ein Buch laut danach ruft, auf die Bühne gebracht zu werden, dann „Ophelias Schattentheater“ von Michael Ende – das eben die Geschichte von Ophelia (trotz berühmter Namensgleichheit keine tragische Figur) erzählt, die wegen ihrer leisen Stimme nicht Schauspielerin werden kann, wohl aber Souffleuse. Als das Theater schließt, sammelt sie herren- und damenlose Schatten ein, lässt sie, da ihnen auch irgendwie langweilig ist, Theatertexte lernen und zieht schließlich mit ihnen – und großem Erfolg – als fahrender Schattentheater-Betrieb über Land.

Im Frankfurter Theaterhaus sind es der Puppenbauer und -spieler Elout Hol (vom niederländischen Theater Gnaffel) sowie die Schauspielerinnen Uta Nawrath und Mirjam Tertilt, die Puppen führen, hinter grimmige und andere Masken schlüpfen, zuletzt die hübschesten Scherenschnitte auftanzen lassen: den Ophelia-Tourbus, über einen spitzen Berg rumpelnd, einen Vogelschwarm, Pferde, Blümchen und Schmetterlinge, Delphine und sogar einen Dinosaurier. „Die Schatten gaben sich große Mühe“, erzählt eine Stimme (Cornelia Niemann) aus dem Off, aber das ist sehr bescheiden formuliert.

Der Charme dieser Inszenierung von Theaterhaus-Hausregisseur Rob Vriens für Kinder ab sechs Jahren liegt im Detail. Da Ophelia ihre Gast-Schatten tagsüber in Handtaschen unterbringt – das fällt auf der Straße, in der Sonne nicht so auf –, schweben auch zahlreiche Handtäschchen über der Bühne. Da die Hauptfigur eine stilbewusste alte Dame ist, gibt man der Puppe Zeit, sich einen feinen Handschuh auszusuchen und (Tierschützer mal kurz weghören) einen Fuchskragen umzulegen. Da Ophelia ein fantastisches Gedächtnis haben muss, flirren immer wieder allerhand berühmte Zitate aus Dramen herum. Dem jungen Publikum dürften sie böhmische Dörfer sein, aber durchaus muss ein Theater für Kinder nicht alles erklären wollen.

Am Ende nimmt Ophelia einen letzten, großen Schatten an; und die Inszenierung begleitet sie mit ein paar Schneeflocken in den Himmel, wo sie wieder ihre eigenen Aufführungen haben kann. Im Zuschauerraum ist es recht still geworden, das nimmt die Erwachsene als Zeichen, dass die theaterverrückte Ophelia Nachfolger finden könnte.

Theaterhaus Frankfurt:
Termine wieder im November. www.theaterhaus-frankfurt.de

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