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Heidelberger Stückemarkt, die Eröffnungspremiere: Friedrich Witte und Katharina Ley in „Das weiße Dorf“ von Teresa Dopler. Foto: Susanne Reichardt
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Heidelberger Stückemarkt, die Eröffnungspremiere: Friedrich Witte und Katharina Ley in „Das weiße Dorf“ von Teresa Dopler.

Festival

Heidelberger Stückemarkt: Vom Weg- und vom Zurückkommen

  • Judith von Sternburg
    vonJudith von Sternburg
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Der lebhafte digitale Heidelberger Stückemarkt.

Das weiße Dorf“ der 1990 in Linz geborenen Autorin Teresa Dopler hätte schon im vergangenen Jahr als Gewinnerstück von 2019 den Heidelberger Stückemarkt eröffnen sollen. 2020 fiel das Festival aus, niemand hätte sich da wohl vorstellen können, dass noch ein Jahr später allein eine digitale Runde möglich sein würde. Aber so ist es jetzt. Es funktioniert, es ist quietschfidel, anregend, anrührend. Liegt das an der Entwöhnung und an der Erleichterung darüber, dass von überall her das Publikum in Stream und Chat schlüpft, weil alle noch da sind, nur gegenwärtig nicht so einfach zusammenkommen können? Es liegt jedenfalls auch daran, dass sich das Warten auf „Das weiße Dorf“ gelohnt hat, ein sprachintensives Zweipersonenstück von Heute und sicher auch noch von Morgen.

Ruth und Ivan waren vor vielen Jahren kurz ein Paar, jetzt treffen sie sich auf einer Amazonas-Kreuzfahrt wieder, beide anderweitig liiert, beruflich erfolgreich, ziemlich glücklich. Zunächst bezaubert die Freude über das Wiedersehen, dann erstaunt der Gleichtakt der Gedanken, dann befremdet die stete Bejahung der Dinge und des Lebens, in dem alles so erfreulich ist, aber auch so pragmatisch und unverbindlich. Derweil wird die Frage, ob in diesen optimalen Biografien nicht vielleicht das Wesentliche versäumt wurde – könnte es die Liebe zueinander gewesen sein? –, immer virulenter.

Das ungemein sympathische, einander zugewandte Spiel von Katharina Ley und Friedrich Witte ist in Ron Zimmerings Inszenierung regelrecht anheimelnd, während die Gesamtsituation zunehmend irritiert. Die beiden bleiben wirklich ganz unter sich. Aber wo sind sie denn, die anderen Menschen, wo ist die Welt oder umgekehrt: Wo sind die beiden, wenn doch partout kein Amazonas in Sicht kommt? Ute Radlers Ausstattung bietet allein eine leicht rostige und durch Gewichtsverlagerung bewegliche Metallplatte, auf der Ley und Witte die Balance halten können und müssen. Und seltsam, in dieser stillen Leere und in dieser wortgewandten Freundlichkeit legt sich eine tiefe Melancholie über den Bildschirm.

Welten aus Sprache

So dezent, aber auch einleuchtend Zimmerings und Radlers Umsetzung ist, so gut würde „Das weiße Dorf“ doch ebenso als Hörspiel funktionieren, ein frappierender Umstand, der sich in den ersten Tagen nach der Eröffnung beim Wettbewerb der deutschsprachigen Stücke fortsetzt. Fünf Autorinnen und ein Autor sind im Rennen, die Lesungen sind vorzüglich eingerichtet. Sechs Welten, aus Sprache gemacht und aus dem Geist der Literatur geschaffen. Die Regie hat Möglichkeiten, aber sie wird sich ins Spiel bringen, etwas einfallen lassen müssen, wenn doch alles schon da ist.

In Anna Geschnitzers „Einfache Leute“ und Fabienne Dürs „Gelbes Gold“ (genau, Pommes) geht es um die soziale Herkunft und darum, vom Land oder aus der Plattensiedlung wegzukommen. Andere müssen dann hin, wie die polnische Pflegerin in „Fischer Fritz“ von Raphaela Bardutzky. Die ethnische Herkunft steht im Zentrum von Patty Kim Hamiltons „Peeling Oranges“, ebenfalls einem Weg- und Wiederkomm-Stück, aber für asiatischstämmige Schauspielerinnen (das überfordert deutsche Theater noch und bringt Gäste nach Heidelberg). Aber auch bizarre Settings verfangen, Svenja Viola Bungartens Hexengeschichte „Maria Magda“, Wilke Weermanns Koma-Traum-Stück „Hypnos“.

Ein enttäuschungsfreier Wettbewerb. Ja, wir sind bedürftig.

Heidelberger Stückemarkt: bis 9. Mai, am nächsten Wochenende unter anderem mit den Lesungen aus dem Gastland Litauen. www.theaterheidelberg.de

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