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Peter (Günther Henne) und der Vogel (Susanne Schyns). 

Kindertheater

„Peter und der Wolf“ in Frankfurt: Headbangen zur Querflöte

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Fasziniert immer noch: Der Klassiker „Peter und der Wolf“ im Theaterhaus Frankfurt.

Das Ding in dem großen schwarzen Kasten weckt die Aufmerksamkeit, noch bevor das Stück überhaupt begonnen hat. Nach kurzer Diskussion stellt ein Junge klar, um was es sich da auf der Bühne handelt: einen Plattenspieler. Für viele im jungen Publikum offenbar ein neuer Anblick, ist der Plattenspieler (und die Musik, die daraus erklingt) für Peter das Tor zu einer anderen Welt.

„Peter und der Wolf“, 1936 uraufgeführt, ist ein Klassiker, wenn es darum geht, Kinder an die Instrumente und den Klang eines Sinfonieorchesters heranzuführen. Das Theaterhaus Frankfurt zeigt das Stück für Kinder ab sechs Jahren nun mit der Aufnahme der Wiener Philharmoniker, erzählt von Karlheinz Böhm.

Theaterhaus Frankfurt: 8., 11. Juni und im Dezember.

www.theaterhaus-frankfurt.de

Die Musik von Sergej Prokofjew, der jede Figur von einem charakteristischen Instrument begleiten lässt, bildet die akustische Grundlage für die Geschichte des kleinen Peter (Günther Henne). Der lebt bei seinem grantigen Großvater (Michael Meyer), der am liebsten seine Ruhe haben will und das Haus zu einer Festung macht. Das Nichtszutunhaben ist die Hölle für Peter; aber glücklicherweise gibt es ja den Plattenspieler, der (immer dann, wenn der Großvater nicht da ist) ganz wunderbare Musik spielt und für Peter die Grenze zwischen Realität und Fantasie aufhebt.

Gesprochen wird auf der Bühne kein einziges Wort, aber das ist auch gar nicht nötig, denn die Tiere werden musikalisch begleitet. Zum Umherflattern des kleinen Vogels (Susanne Schyns) ertönt eine Querflöte und die Ente, die großen Spaß daran hat Seifenblasen in die Luft zu pusten, wird von einer Oboe verkörpert.

Die drei haben eine Menge Spaß zusammen, und so könnte es auch weitergehen, wäre da nicht der Wolf, der irgendwo da draußen herumstreunt und schon von den Jägern gesucht wird – bislang erfolglos, wie die Plakate zeigen, die einer von ihnen aufhängt (Bühne: Nanette Zimmermann). „Gesucht“ steht darauf, „Belohnung 1000“ (Währung unbekannt), und ein zweiter klebt einen gelben Sticker darüber, „tot oder lebendig“.

Es sind Details wie dieses, die die Inszenierung von Elisabeth Gabriel so charmant machen. Da ist zum Beispiel der Vogel, der ins Haus von Peters Großvater fliegt, dort alles durcheinanderwirbelt und ausprobiert. Auch das Radio ist nicht vor ihm sicher; als er es anschaltet, ertönt Rockmusik, die mit der Querflötenmelodie eine dissonante Mischung ergibt – dem Vogel aber scheinbar gut gefällt, der daraufhin mit dem vor allem bei Heavy-Metal-Fans beliebten Headbangen die Lacher auf seiner Seite hat.

Oder die Kuckucksuhr, an der Peter aus lauter Langeweile herumspielt, bis sie irgendwann einen Hänger hat – und der Kuckuck daraufhin jedes Mal leicht ramponiert aus dem Häuschen schießt und sich verhaspelt bei seinem Ruf, der dann mehr nach „Kukkkkkkukukuku“ klingt.

Im Zuschauerraum wird mitgefiebert (und sich etwas gefürchtet vor den durchaus militärisch wirkenden Jägern) – das Musikmärchen fasziniert auch noch im Youtube-Zeitalter.

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