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„Gymnastik“ mit dem Ballet of Difference: Ein Abend, an dem in doppeltem Sinn viel Stoff zum Einsatz kommt. Foto: Knut Klaßen
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„Gymnastik“ mit dem Ballet of Difference: Ein Abend, an dem in doppeltem Sinn viel Stoff zum Einsatz kommt.

Ballet of Difference

„Gymnastik“ aus Köln: Sie tanzen so dies und das

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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„Gymnastik“ von Monika Gintersdorfer und Knut Klaßen mit Richard Siegals Ballet of Difference.

Das Regie-Duo Monika Gintersdorfer und Knut Klaßen zeichnet sich durch zwei Dinge aus: durch seine Zusammenarbeit mit ivorischen Künstlern und damit verbunden ein Nachdenken über den westlichen Blick und die westliche Aneignung; sowie durch die Überzeugung, dass Dramaturgie und Form nur etwas für Weicheier ist. 2016 eröffneten sie im Frankfurter Schauspielhaus die Tanzplattform mit „Not Punk, Pololo“, das die Anmutung einer völlig ungesteuerten Session hatte. Jetzt arbeiteten sie auf Einladung von Richard Siegal mit dessen Ballet of Difference, Uraufführung von „Gymnastik - Stretching out to past and future dances“ war auf der Kölner Schauspiel-Bühne.

Ein sprunghafter Abend

Der knapp zweistündige, wegen seiner extremen Zusammengewürfeltheit zähe Abend beginnt mit Emile Jaques-Dalcroze, Begründer der rhythmischen Gymnastik, der er zutraute, Harmonie zu schaffen und so die Welt zu retten. Es fallen dann die Namen (bzw. stehen hinter den Akteuren an der Wand) Anita Berber, Sebastian Droste – ihre Tanzauftritte waren so skandalumtost wie drogenbefeuert –, der Ausdruckstänzerin Valeska Gert, des Tänzers Harald Kreutzberg. Immer wieder blitzt dabei etwas durch, von dem man gern mehr gehört oder gesehen hätte, immerhin hat Valeska Gert „Im Jahr 5000“ oder „Nach der Atomkatastrophe“ getanzt. Aber der Abend ist sprunghaft und verschwatzt. Kaum fallen die Wörter „influenza pandemic“ und „1918“, geht es schon wieder um komplett anderes, zum Beispiel das „Staatsfernsehen“, ein gestorbenes Affenbaby, einen Gymnastikwettbewerb, bei dem kein Fehler gemacht werden darf. Aber was für Fehler dürfen denn nicht gemacht werden? Darf die Stoffwurst nicht fallen, sollen die silbernen Kugeln, die auch mal zum Einsatz kommen, geschickter geworfen werden?

Die Tänzerinnen und Tänzer stecken zuerst in grünen und pinken Bodies mit Ausstülpungen, dann in (Papier?)-Schläuchen, in Stoffanzügen mit ellenlangen Ärmeln und Beinen, mit denen höchst dekorativ gewedelt werden kann, zwei auch in glöckchenbenähten Overalls, die sie tragen, um die Antifa zu ehren (Kostüme: Klassen, Marc Aschenbrenner, Tom Schellmann). Denn die Antifa, erklärt der Tänzer, schütze ihn, so dass er auftreten kann.

Jedes Thema, über das derzeit die Erregungswellen hoch und höher schlagen, wird angesprochen – aber nichts davon scheint der Vertiefung wert. Kann man auch non-binär tanzen? Ist es für einen schwarzen Tänzer ratsam, Muskeln zu zeigen, gar einen Gorilla darzustellen, oder fordert er damit den Rassismus geradezu heraus? Gibt es eine rechte Ästhetik? Muss Kunst politisch sein? Warum betreiben fast nur Frauen Rythmische Sportgymnastik?

Hans Unstern an der selbstgebauten Harfe hat es ähnlich eilig, singt „Ich tanze Geburt, Liebe, Tod“, singt gleich darauf „die Vernichtung ist einfach da“.

Liegt es an der Pandemie, dass „Gymnastik“ wirkt wie über eine Materialsammlung nicht hinausgekommen? Eher nein.

Stream buchbar über das Schauspiel Köln am 18., 26. März, 5. April.

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