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Auch tänzerisch gefordert: Das Ensemble 9. November mit "Mein Freund Gulliver".
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Auch tänzerisch gefordert: Das Ensemble 9. November mit "Mein Freund Gulliver".

„Mein Freund Gulliver“ im Gallustheater

Gullivers Interventionen

Nur ein Jugendbuch? Das Ensemble 9. November macht aus Swifts Roman im Gallustheater in Frankfurt ein Gesamtkunstwerk und nennt es „Mein Freund Gulliver“.

Von Stefan Michalzik

Ein Wunder eigentlich, dass sich das Frankfurter Ensemble 9. November erst jetzt des Schriftstellers Jonathan Swift und seines bahnbrechenden Hauptwerks „Gullivers Reisen“ angenommen hat: Eines ungeachtet seiner eminenten Verwicklung in die Politik der Zeit unbeugsamen anglo-irischen Geistes und eines zwischen Satire, Reise- und utopischem Roman angesiedelten Buchs. In einem allzeit gültigen Skeptizismus ist es immens viel mehr als bloß die beliebte Jugendlektüre, als die es in beschnittener Fassung hierzulande populär wurde.

„Mein Freund Gulliver“ hatte jetzt im Gallustheater Premiere. Im 28. Jahr bringt das Ensemble Arbeiten von einer eigensinnig speziellen und schon lange wohlbekannten Art auf die Bühne, die sich dann doch ein um das andere Mal wieder um einen bestimmten Kick unterscheiden. Kennzeichnend ist ein gesamtkunstwerklerischer Ansatz, an dem die eigenwillig bizarren skulpturalen Kunstobjekte von Wilfried Fiebig prägenden Anteil haben.

Aus heutiger Sicht kann dieses literarisch-philosophisch orientierte und von einem aufklärerisch-humanistischen Impetus im Nachbeben der 68er-Bewegung getriebene Traditionsunternehmen der Freien Theaterszene in Frankfurt es für sich beanspruchen, der Welle von Romanadaptionen auf dem Theater deutscher Sprache voraus gewesen zu sein.

Das Metronom tackert

Die gleichsam hauseigene Opulenz ist diesmal von einer eher kargen Art. „Gespielt von den Insassen des Ensemble 9. November“ – dergestalt spielt der Untertitel (ansonsten folgenlos) auf Peter Weiss’ „Marat/Sade“ an. Vor allem bleiben in diesem musikalischen Theater – wohl ein Novum – diesmal die Musiker aus. Die Inszenierung von Fiebig, mit sogenannten „Interventionen“ seiner Gründungspartnerin Helen Körte, beginnt unter dem Tackern eines Metronoms in seinem gnadenlosen, das Vergehen von Zeit und damit Endlichkeit signalisierenden Gleichtakt.

Mehrfach werden planvoll krude Überlagerungen mannigfacher Musiken zwischen Oper, Jazz, Vokalmusik der Renaissance und so fort eingeblendet. Mit Filmbildern aus früheren Inszenierungen erweist sich das Ensemble selbst Reverenz; als markant kantiger Vorleser tritt Fiebig einige Male persönlich in Erscheinung. Das Spielerquartett um Venera Dik, Janine Karthaus, Kathrin Schyns und Eric Lenke ist in der nach Art des Hauses episodisch strukturierten Folge von Szenen in einer bescheidenen Art tänzerisch gefordert.

Fiebig und Körte machen einfach immer weiter mit ihren kunstvoll ausgeleuchteten und eine Eigenständigkeit gegenüber dem Text behauptenden Bildern. Ohne tiefgehende Überraschung in der Machart, immer noch aber mit einer gewissen Kraft der Findung.

Gallustheater, Frankfurt: 3.-7. Mai.

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