Antony Rizzi (r.), Daniel Chait.
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Antony Rizzi (r.), Daniel Chait.

Tony Rizzi im Mousonturm

Die große Verwirbelung

Der Tänzer und Choreograph Tony Rizzi sagt im Mousonturm tanzend und redend Danke: „Same Old Set Different Show“.

Von Stefan Michalzik

Er habe zu wenig getanzt und zu viel gesprochen. Die dahingehende Bemängelung eines Kritikers der „New York Times“, sagt Antony Rizzi zu Anfang, habe er als Kompliment aufgefasst. An diesem Abend reden sie wiederum sehr viel, Rizzi und das Dutzend Tänzerfreunde, das er The Bad Habits nennt – und es wird in „Same Old Set Different Show“ sehr viel getanzt.

Dies werde, so erklärt es der einstige Tänzer des Ballett Frankfurt von William Forsythe im Verlauf, seine letzte Arbeit dieser Art sein. Da gilt es, einmal ausgiebig „Danke!“ zu sagen – und das geschieht an diesem Abend im Frankfurter Mousonturm in einer spöttisch exzessiven Weise.

Anknüpfend an die Errungenschaften von Pionieren der Performance wie Penny Arcade (von ihr und der buddhistischen Nonne Pema Chödrön stammen Textteile), kündet Rizzi vom Leben, besonders dem des Tänzers. Der Dank gilt im Ernst dem Mousonturm und weiteren befördernden Institutionen. In anekdotischer Weise fügt sich dann aber eine endlose Liste von erduldeter Unbill seitens Tanzlehrern, Choreographen und Intendanten.

Aus Splittern der Erinnerung ergeben sich Gleichnisse einer Hierarchie im Betrieb des Tanzes. Der scherzhafte Dank geht an Pina Bausch – dafür, dass sie das Copyright auf die Elemente der Natur auf immer belegt hat und an alle ehemaligen Ensemblemitglieder von William Forsythe die, obgleich großartige Tänzer, nicht der Idee verfallen sind, Choreographen werden zu wollen.

Spiel mit Verkleidungen

Das zentrale Duo, Rizzi und Daniel Chait, markiert ein Paar alter Diven. Das kanalisiert ausgelassene Spiel mit Perücken, Verkleidungen, Masken ist ein prägender queerkultureller Faktor. Der Glaube und der Sex, auch der käufliche, sind Motive, die anklingen.

Kurzweil und der Mut zu einer gewissen Länge (und dann aber doch keineswegs vertaner Zeit) gehen in diesen zwei Stunden in einer verblüffenden Art zusammen. Selbst Ensemblestücke, so klingt es im Text einer Tänzerin treffend an, sind bei Rizzi zugleich auch immer ein Solo für ihn selber. Seinen auf sympathische Weise quirlig exzentrischen Zug überträgt er auf das Ensemble.

Quer durch italienischen Volkstanz, klassisches Ballett, Disco, Metal, Bolero, fernöstlichen Tanz und zeitgenössischen R’n’B geht ein tänzerisch/musikalisches Potpourri; die große, genialisch chaotische Verwirbelung ist seit jeher das Zeichen der Bühnenästhetik von Rizzi. Das Stück lässt sich als eine Liebeserklärung an den Tanz auffassen. Mag noch so viel geredet werden.

Mousonturm Frankfurt: 20., 21. Februar. www.mousonturm.de

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