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Landungsbrücken

Und wir glauben denen das

In den Frankfurter Landungsbrücken stellt Julian König einen irren Beruf vor, den des Schauspielers.

Das Schauspielen ist ein so seltsamer Beruf, dass man selbst nach Jahren des Zuschauens aus dem Staunen nicht herauskommt. Wie sagte der Theaterkritiker Peter Iden bei den Römerberggesprächen? Eben saßen sie in der Straßenbahn, jetzt stehen sie da und behaupten, sie seien Hamlet und Ophelia. „Und wir glauben denen das.“

Die Frankfurter Landungsbrücken nehmen sich nun Klaus Manns Roman „Mephisto“ zur Grundlage zu gut durchdachten, fabelhaft ausgeführten neunzig Minuten für zwei Personen. In einer klug aufgefädelten Zitat-Abfolge von Szenen und Monologen geht es unter der Regie von Linus Koenig um Pracht und Schändlichkeit des Berufs, wie sie sich in der schillernden Figur des genialen Darstellers und politischen Opportunisten Gustav Gründgens spiegeln.

Schaurig spiegeln, wie sich zeigt, wenn Julian König mit einem Wimpernschlag zu heutigen Anpassungsanforderungen wechselt – die 36 Euro Abendgage erwähnt und schon übernimmt halt der Praktikant die Rolle, wenn der Herr Schauspieler mault. Oder eine freche Rede vor den Grünen hält, und schon weiß man nicht genau, was das für die Förderung des nächsten Projektes bedeuten könnte. Vieles weiß man nicht genau, nur dass er ein Schauspieler ist. Noch auf allen vieren ist er ein Schauspieler, und wer will entscheiden, ob er Peter Lorre als Mörder oder Julian König als Schauspieler ist, wenn er ruft und wimmert, er könne doch nichts dafür.

Julian König zeigt einen Mann, der virtuos unter Stress steht. Haspelig vor Aufregung, wenn das Haus voller wichtiger Nazis ist, nachher lassen sich dann Stress und Engagement nicht immer voneinander trennen. Klar ist nur, dass König sich nie ins Überkandidelte rettet. Der Landungsbrücken-„Mephisto“ ist unheimlich aus dem Leben gegriffen, nicht nur der Schauspieler, wie entgleisende Interviewszenen – jetzt mit Bahar Sarkohi als Gesprächspartnerin – zeigen. Darüber kann man sehr lachen, sofern man nicht das Interview führen muss (hier offenbar mit Klaus Kinski).

Bahar Sarkohi hält sich zunächst im Hintergrund. Als sie sich mit einer einschlägigen Kaffeemaschine ein Tässchen herstellt, gerät sie ins Visier des austickenden Darstellers (Christian Bale, wie das Programm informiert). Schauspieler sind Monster, die Monster spielen, aber sie sind auch arme Schweine wie du und ich oder noch ärmer. Sie sind dafür wahnsinnig unterhaltsam und triftig, schauen über den Tellerrand in die Welt, wissen mit Selbstironie umzugehen. Wobei Selbstironie die Dinge in diesem „Mephisto“ nicht relativiert. Hier wird nicht eine Möglichkeit unter vielen verhandelt, sondern eine Existenzform. Wir glauben denen das.

In die besuchte Vorstellung hätten mehr Leute gepasst. Schauen Sie sich die Termine an, schauen Sie sich an, wie Sie zur ehemaligen Milchsackfabrik vordringen können. Blöd, so einen Abend zu verpassen. Und verstünde man nur Chinesisch, könnte man König und Sarkohi beim Tanzen zugucken, und der Besuch hätte sich schon gelohnt.

Landungsbrücken, Frankfurt:
26. November, 7., 21. Dezember.

www.landungsbruecken.org

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