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Iris Reinhardt Hassenzahl behält uns im Blick.

Frankfurt

„Girls & Boys“ in der Stalburg: Witz & Schrecken

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Der Monolog „Girls & Boys“ klingt, als wäre er für Iris Reinhardt Hassenzahl geschrieben. Witz, Ironie und Sarkasmus im Frankfurter Stalburg-Theater.

Kurz gesagt ist der Besuch von Dennis Kellys Monolog „Girls & Boys“ im Frankfurter Stalburg-Theater sogar sehr zu empfehlen. Die Schauspielerin Iris Reinhardt Hassenzahl behandelt ihn unter der Regie von Katja Lehmann so, als wäre er nur für sie geschrieben worden, sie macht ihn sich zu eigen mit solcher Energie und zugleich Selbstkontrolle, dass einem angst und bange werden kann.

Wobei es zunächst auch viel zu lachen gibt, sehr viel. Der Witz, die Ironie, der Sarkasmus, das Ende der Späße, die Bitterkeit, der Hass und die atemberaubende Verzweiflung: Die Darstellerin lässt sich entschlossen darauf ein, ohne Peinlichkeiten und ohne ihren prachtvollen Lippenstift zu verwischen und mit einer nämlich aus inneren Bezirken kommenden Intensität. Allerdings hat sie auch einen vorzüglichen Text zur Verfügung (ein Theater wie die Stalburg, die Spaß an gewitzten Erzählstücken hat, sieht sich zu Recht im angelsächsischen Raum um). Als die Frau an die markerschütternde, die zu diesem Zeitpunkt allerdings auch irgendwo schon erwartete, aber doch wieder umwerfende Stelle kommt, sagt sie noch: „Denken Sie daran, dass es nicht Ihnen passiert, und dass es nicht jetzt passiert.“ Das ist die Wahrheit, aber es ist offensichtlich auch dazu gedacht, uns den Rest zu geben. Außerdem demonstriert es, wie Hassenzahl im Verein mit Kelly vorgeht: Indem sie einen Rest Abstand hält, wird es erst recht spannend.

Der Brite Kelly machte in Deutschland vor allem mit dem Krisen-Stück „Die Opferung von Gorge Mastromas“ – die deutsche Erstaufführung war 2013 am Schauspiel Frankfurt – auf sich aufmerksam, bis heute hoch und runter gespielt. Das Stück will relativ viel, auch „Girls & Boys“, von 2018 und zweifellos ein Text für unsere Tage, will relativ viel. Es geht auf Hassenzahls und Lehmanns Konto, dass sie das geschickt erden und dass sie dem Publikum die Chance geben, mit dem leichten Knarren im dramatischen Gebälk (wie, um Himmels willen, kann eine Geschichte so anfangen, die so endet?) fertig zu werden. Manchmal muss Hassenzahl ein bisschen viel die Scheinwerfer drehen, mal hierhin, mal dorthin. Ausgezeichnet dagegen die kleinen, selbst hergestellten Loops, die gut dosiert für Hintergrunduntermalungen sorgen. Fernes, quasi abstraktes Echo einer vollständig vergangenen Vergangenheit.

Wie Sie merken, ist es besser, fast noch nichts zu wissen.

Stalburg-Theater,Frankfurt: 21., 28. September. 12., 25., 26. Oktober. www.stalburg.de

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