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Das Draußen lieber nicht hören wollen: Bercin Akgül, Lisa Krämer.
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Das Draußen lieber nicht hören wollen: Bercin Akgül, Lisa Krämer.

Staatstheater Wiesbaden Träume-Projekt

Geld in Wiesbaden

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Das Projekt „Die Träume der Armen – Die Ängste der Reichen“ am Staatstheater Wiesbaden integriert feine Laiendarsteller, ist allerdings etwas harmlos.

Seit dem Siegeszug der Regietruppe Rimini Protokoll, immer noch ungeschlagene Meister des Theaters mit „Spezialisten“ (will sagen: im Speziellen kundigen Laien), ist ein Abend wie jetzt das Wiesbadener „Rechercheprojekt“ keine formale Sensation mehr.

Aber man muss Nicht-Schauspieler auch erst einmal so gut, das heißt: unpeinlich, präsentieren können, wie dies jetzt Regisseur Clemens Bechtel im Kleinen Haus des Staatstheaters tut. Titel: „Die Träume der Armen – Die Ängste der Reichen“.

Er hat dazu – unter Mithilfe von Meret Kiderlen – Wiesbadener nach ihrer Meinung gefragt über Armut und Reichtum und die Spaltung ihrer Stadt. Und einige Einwohner hat er dann eben nicht nur mittels eines Zitats, sondern leibhaftig auf die Bühne geholt.

Bercin Akgül zum Beispiel, die erzählt, wie gern sie eine Ausbildung gemacht hätte, die nun aber seit 40 Jahren Hauswirtschafterin ist.

Oder den einst erfolgreichen Landschaftsarchitekten Hans-H. Busch, der Insolvenz anmelden musste (ein großer Kunde war der Pleite-Baukonzern Holzmann).

Oder die Kneipenbetreiberin Monika Kikillus, die sich zu ihrem Unglück zu einem Wechsel in größere Räume überreden ließ.

Oder drei junge Frauen aus dem Jugendhilfezentrum Johannesstift.

Das naheliegende Thema prekärer Kulturjobs hat man auf die Schultern von Lisa Krämer gelegt, die eine Tanz- und Gesangsausbildung gemacht hat.

Sie mögen sich manchmal verhaspeln, aber sie berichten doch auch alle mit beeindruckender Präsenz von ihren persönlichen Geld-Geschichten. Oder eigentlich: Zu-wenig-Geld-Geschichten.

In einem diverse Wohnräume andeutenden Bühnenbild von Matthias Schaller und Susanne Füller berechnen sie die Centbeträge, die etwa morgens verbraucht werden (vom Toilettenpapier über das Duschwasser bis zur Brotscheibe, da kommen mehr als zwei Euro zusammen), sie müssen ansehen, wie Kuckucke auf Tisch und Stuhl geklebt werden.

Lang hinschlagen

Drei Schauspieler aus dem neuen Wiesbadener Ensemble – Christian Erdt, Ulrich Rechenbach, Kruna Savic – unterstützen die Laien, sie übernehmen als eine Art Double Text von ihnen oder auch die heikleren körperlichen Herausforderungen: sich Styropor in den Mund stopfen, lang hinschlagen, Liegestütze machen. Sie geben das Smartphone, den besessen trainierenden Yuppie, den Luxusschlitten-Zerkratzer.

So rundet sich das Arm-Reich-Panorama in 80 Minuten – aber dann doch etwas zu ausgewogen, fast gefällig. Fies wird es an keiner Stelle. Der Autozerkratzer bezeichnet sich praktischerweise gleich selbst als Chaot.

Oder es wird gekalauert, wie wohl im Reichenviertel das Schild „Vorsicht Kinder“ zu interpretieren sei.

Am Ende steht ein Themenwechsel: Im Video spricht die 100-jährige Christiane Zerda, einst Schauspielerin, vom Altenheim als Endstation – „Mauer“ nennt sie es. Und dass sie, selbst wenn sie 110 werden sollte, doch nie mehr woanders leben wird.

Man versteht, warum Bechtel das zeigen möchte. Aber es gehört zu einem anderen Abend.

Staatstheater Wiesbaden: 25., 30. September, 2., 21. Oktober. www.staatstheater-wiesbaden.de

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