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Da liegt sie mit blutiger Nase, aber sie steht gleich wieder auf. Ulrike Folkerts als Cookie Close am Nationaltheater Mannheim.
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Da liegt sie mit blutiger Nase, aber sie steht gleich wieder auf. Ulrike Folkerts als Cookie Close am Nationaltheater Mannheim.

Theater

Das geht schon wieder

Noah Haidles neues Stück "Für immer schön" mit Ulrike Folkerts in Mannheim.

Deutschsprachige Theater mögen die Stücke des US-Amerikaners Noah Haidle sehr, die große, traurige Geschichten von heute anbieten und der Regie trotzdem Spielraum lassen. „Für immer schön“, jetzt am Nationaltheater Mannheim uraufgeführt, wo Haidle derzeit Hausautor ist, variiert einerseits sein 2016 in Kassel gezeigtes grandioses Stück „Götterspeise“: Erneut lehrt das Schicksal eine sympathische Optimistin Mores, aber die Optimistin lässt sich nicht so leicht aus dem Rennen werfen.

Zugleich ist „Für immer schön“ eine eigenartige Version vom „Tod eines Handlungsreisenden“. Der amerikanische Traum wird tapfer weitergeträumt und er platzt von Generation zu Generation wieder von Neuem. Die Handlungsreisende heißt jetzt Cookie Close, sie ist mit Kosmetik unterwegs, und zu sagen, dass sie sich ein Bein für ihren Job ausreißt, ist wirklich nicht zu viel. In Mannheim prägt Ulrike Folkerts Rolle den Abend, eine Tatort-Kommissarin alter Schule, die als Ermittlerin berühmt wurde und nicht oft außerhalb ihrer Ludwigshafener Sphäre zu sehen ist. Eine krasse Entscheidung, ihr eine Figur anzuvertrauen, die man sicher auch anders angehen könnte (und man wird das auch noch zu sehen bekommen, deutschsprachige Theater, wie gesagt, mögen die Stücke Noah Haidles). Differenzierter, komplizierter.

Dann aber stellt sich die Frage, wie differenziert und kompliziert Cookie überhaupt ist. Es geht so. Vor allem gibt sie sich diese furchtbare, verzehrende Mühe, die uns schrecklich bekannt vorkommt, aber doch nicht in einem ganz so erschütternden Ausmaß. Sie ist eine Stehauffrau der drastischen Sorte – Willy Loman redet, aber Cookie handelt! Willy Loman kann nicht mehr, aber Cookie kann noch und wenn sie aus der Nase blutet und wenn sie nichts mehr sehen kann! Für eine Kosmetikverkäuferin ein Problem, aber nicht für Cookie Close! In dieser Situation jedoch ist Ulrike Folkerts perfekt, das reinste Durchhalten in einem nicht mehr jungen, aber in glänzender Form gehaltenen Körper. Cookie trainiert hart und ihr Wille ist eisern. Sonst ist eigentlich nichts mehr da. Da drin ist eigentlich nichts mehr. Folkerts’ einschlägige Stimme klingt einem im Ohr, immer rüstig, immer munter, oft ein bisschen zu laut, mit schonungsloser guter Laune, schonungslos gegen uns und gegen sich selbst. Das hat etwas Gleichförmiges, aber genau das ist ja Cookies Problem.

Zumal die Entwicklung Cookies, also der Abstieg Cookies, von dem Noah Haidle in seiner Szenenfolge erzählt, in der Inszenierung von Burkhard C. Kosminski schon deutlich eingesetzt hat. Cookie ist bereits ziemlich weit unten, sie hat es nur noch nicht zur Kenntnis genommen und nimmt es auch in den folgenden 100 Minuten nicht zur Kenntnis. Cookie ist hart drauf. Aber nicht die erwartbare gepflegte Kosmetikberaterin taucht am Anfang auf (ist natürlich schon da, Cookie ist immer schon da), sondern eine etwas ramponierte Frau, die Haare ungekämmt (also ungekämmt gekämmt), das offenbar vorgeschriebene Kostümchen (Lydia Kirchleitner) befleckt, die Bluse zipfelnd. In der jüngeren Kollegin – Konkurrentin – Heather (wunderbar gleichmütig und jung: Sabine Fürst) sehen wir, wie es sein sollte. Eine Barbiepuppe, auch in ihr glüht der Ehrgeiz. Es ist schmerzlich zu erleben, wie die Frauen mit Haut und Haar tätig sind. Willy Loman tut einem leid, aber Cookie hat das weiß Gott anstrengendere Leben – Loman scheitert an seinem Glauben an die alten Zeiten, Cookie wird von den neuen fertig gemacht.

Die Bühne (Florian Etti) zeigt eine weiße Haus-Attrappe, auf der Platz für Projektionen ist. Cookies Mutter spielt für ihren Werdegang eine fatale Rolle, aber auch das Verhältnis zur eigenen Tochter misslingt Cookie fundamental. In beiden Beziehungen hat sie es mit Celina Rongen zu tun. Auch in der racheengelhaften Anke Schubert holt sie die Vergangenheit ein. Wobei Cookie Züge ins Mythisch-Ewige hat, so dass sich die Zeiten überlagern. Eine Entwicklung gibt es kaum. Für den Abend ist es Schwäche (Langeweilegefahr) und Stärke (Verzweiflungsgefahr) zugleich.

In Lena Odenthal werden wir fortan immer auch Cookie sehen.

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