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FUX und die „Premiere“ im Frankfurt Lab: Aller Nicht-Anfang ist schwer

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Von: Sylvia Staude

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Im Chor zaubern: Ist das ein guter Anfang? Foto: Andre Simonow
Im Chor zaubern: Ist das ein guter Anfang? © Andre Simonow

Die Gruppe FUX mit „Premiere“ im Frankfurt Lab.

Ausgehend von dem Wörtchen „anfangen“ – oder sollte man besser sagen: anfangend mit dem Wörtchen anfangen? – holt die Theatergruppe FUX weit aus, denkt über den Anfang von allem nach (Urknall!), über die Unmöglichkeit, neu anzufangen, wenn es doch immer etwas gibt, das schon da und gegeben ist, über die Notwendigkeit, trotzdem anzufangen, zum Beispiel mit dem Umsteuern beim CO2-Ausstoß.

Aber Falk Rößler und Nele Stuhler, die FUX sind, fangen im neuen Stück „Premiere“ auf ihrem ureigensten Terrain, dem Theater, an. Dort ist es ja Konsens, dass das Publikum kommt, um auch einen Anfang zu sehen, egal ob mit oder ohne Vorhang, der sich öffnet. Das Publikum geht außerdem davon aus, dass es sich um einen Anfang handelt, den die Theaterschaffenden vorher mindestens abgesprochen, wahrscheinlich aber geprobt haben. So dass es gar kein richtiger Anfang ist, finden FUX. Aber ist es zu schaffen, gar nicht anzufangen?

Dem Lieferanten danken

Im Frankfurt Lab tun nun fünf Personen alles (neben Rößler und Stuhler sind das Irina Sulaver, Jost von Harleßem, Nils Weishaupt), um nicht anzufangen. Machen Ansagen aller Art. Danken sogar dem Lieferanten des gelben Vorhangs – obwohl man sich die Farbe eigentlich etwas anders vorgestellt hat. Diskutieren dann, ob man den Vorhang „auf 3“ oder „nach 3“ gemeinsam hochzieht. Sagen „bevor es jetzt gleich richtig losgeht“. Oder erklären uns noch schnell, sie wollten heute erst am Ende anfangen. Oder behaupten, dass sie „gerade noch kein Theater machen“. Aber ist es nicht so: „Sobald man anfängt, fängt man an“?

Manchmal kann man in diesem Wirbel des Anfangens und Nachdenkens über das Anfangen gar nicht schnell genug mitdenken. Aber „Premiere“ ist ein trotz eindreiviertel Stunden kurzweiliger Abend, weil FUX auch wissen, dass man ab und zu mal bremsen muss im schwindelig machenden „Anfangen für Anfänger“-Disput, sie dann unter anderem kleine, quasi im Chor ausgeführte Zauberkunststücke zeigen (Begründung: um nicht anzufangen, muss man schon zaubern können). Ha, sie haben ja doch geprobt, kann man dann denken.

Aber das versteht sich von selbst. Schließlich lautet die Übereinkunft zwischen Publikum und denen auf der Bühne, dass es ohne Anfang und ohne Absprachen eben nicht geht (selbst dann, wenn es sich um Improvisationstheater handelt). Listig, charmant ist FUX’ Spiel mit dem Anfangsspiel – und sogar ein bisschen Mitmach-Theater, indem man nämlich seinen Wunschanfang auf eine Karte schreiben kann.

Frankfurt Lab: 19. März. www.mousonturm.de

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