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Mag John Wayne etwa keinen Alkohol?

Stalburg Theater Frankfurt

Man fühlt sich sofort heimisch

Wenn einer partout in Frankfurt bleiben will, braucht es bisweilen kriminelle Energie. Das Frankfurter Stalburg Theater zeigt Lutz Keßlers grotesken Stadt-Western „John Wayne war nie in Offenbach“.

Von Katja Sturm

Hans-Jürgen ist ein glühender John-Wayne-Fan. Seine preiswerte Altbauwohnung im hippen Nordend hat der Frankfurter mit all den Andenken an den großen Western-Helden dekoriert, die er teilweise viel zu teuer erworben hat. Zudem produziert der Online-Redakteur täglich einen Videoblog, der auch dem Bühnenstück den Namen gibt, das nun im Stalburg Theater seine Uraufführung feierte: „John Wayne war nie in Offenbach“.

So unsinnig der Titel, so grotesk ist das, was der Protagonist seinen Followern präsentiert. Obwohl er sich als cooler Cowboy gibt, der vor der Kamera mit „Yee-haw“ grüßt, ist Hans-Jürgen ein eher unscheinbarer Mittvierziger mit Minderwertigkeitskomplexen. Bis zu diesem Tag, an dem er seine Arbeit verliert und sich und sein Leben auf den Spuren seines Idols radikal ändert.

Regisseur und Autor Lutz Keßler hat extra für den Aufführungsort eine Drei-Personen-Komödie geschrieben, die ihre Komik einerseits aus vielen regionalen Anspielungen zieht. Das beginnt beim Bühnenbild, das eine Wohnung im Stil der Familie Hesselbach und einen Ausblick auf eine typische Nordend-Fassade zeigt.

Die Wurst und die Veganerin

In den Dialogen wird die östlich gelegene Nachbargemeinde gewohnheitsmäßig abfällig behandelt. Die frustrierte, scharfzüngige Juristin Sabine (Undine Schmiedl), mit der Hans-Jürgen (Thomas Rausch) einen kriminellen Plan durchzieht, um sein Leben in der „besten Stadt der Welt“ weiter finanzieren zu können, arbeitet für ein Gericht im hessischen Hünfeld.

Und im Rededuell um gesunde Ernährung kontert der Fleischesser mit Wurstprodukten von Gref-Völsing und aus der Kleinmarkthalle die Angriffe der Veganerin. Letztere, die vorlaute Mia (Iris Reinhard-Hassenzahl), ist die von Hans-Jürgen scheinbar entführte Tochter des Hausbesitzers, der zahlreiche Bauten im Nordend luxussanieren und deren Mieten in unerreichbare Höhen schrauben will.

Man fühlt sich also sofort heimisch in dem Szenario. Der Gang der Dinge weicht kaum ab von dem Geschehen ähnlicher Lustspiele. Doch die zahlreichen Anspielungen auf den leidenschaftlich verehrten Schauspieler geben der Alltagskost eine besondere Würze: Seine Filmzitate werden für die Dialoge mehr oder weniger passend gemacht, Cowboy- und Indianer-Kostüme, in die die Protagonisten schlüpfen, sorgen für amüsante Anblicke.

Die kitschige Musik (Fillippo Tiberia) wiederum lässt den US-amerikanischen Mythos von der Eroberung des weiten Landes durch vorbildliche Helden durch die kleinen Räume im ersten Stock des Frankfurter Altbaus wehen, dessen Bewohner angesichts ihrer Taten das „All Inclusive in Preungesheim“ fürchten.

Das Unterhaltungsniveau, das auf diese Weise vor allem im ersten Viertel des zweistündigen Abends erreicht wird, können die mit viel Spiellust überzeugenden Darsteller zwar nicht halten. Dennoch schaut man ihnen bei ihrem eigenen Kampf für das Gute gerne bis zum stimmungsvollen Happyend zu.

Stalburg Theater, Frankfurt: 10., 16., 17., 24., 30. September.

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