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Die Komik ist eher schwerfällig: Lisa Eder, Michael Pas und Serge Fouha geben aber viel.
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Die Komik ist eher schwerfällig: Lisa Eder, Michael Pas und Serge Fouha geben aber viel.

Staatstheater Mainz

„Frieden, Liebe & Freiheit“: Faktengewitter in Versailles

  • Shirin Sojitrawalla
    VonShirin Sojitrawalla
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Stijn Devillés „Frieden, Liebe & Freiheit“, in Mainz uraufgeführt, stellt moralische Fragen.

Der Titel ist Programm: Frieden, Liebe und Freiheit. Um nicht weniger geht es im neuen Stück des flämischen Dramatikers und Regisseurs Stijn Devillé. Am Rande der Friedensverhandlungen von Versailles im Jahr 1919 treffen bei ihm drei historisch verbürgte Persönlichkeiten aufeinander: Der Wirtschaftsökonom John Maynard Keynes, der als Abgesandter am Friedensvertrag mitwirkte, die Tänzerin der Ballets Russes Lydia Lopokova, die Keynes später heiraten wird, und schließlich Charles D. B. King, der einzige schwarze Verhandlungsführer in Versailles, erst Außenminister, später dann Präsident Liberias. Drei Ausnahmeerscheinungen, deren Leben und Wirken viel von der damaligen Zeit widerspiegelt.

Auf der Bühne der Spielstätte U17 im Mainzer Staatstheater finden sie in Michaël Pas, Lisa Eder und Serge Fouha würdige Wiedergänger. Man erkennt Ähnlichkeiten im Spiel mit den Vorbildern. Zur Eröffnung hält Fouha einen Vortrag über die Spanische Grippe, der den Bogen ins Heute spannt. Im Anzug steht er am Mikrophon und schwört uns ein auf einen Abend der vielen Worte, des aufgesagten Textes und der Thesen. Es ist ein langer Vortrag, Fouhas Akzents wegen (das gleiche gilt für Michaël Pas) nicht immer leicht zu verstehen.

Zumal am rechten Rand der Bühne der Musiker Geert Waegeman mit seinem Ein-Mann-Orchester Platz genommen hat. Er illustriert, verstärkt und stört schon mal die Wortbeiträge des Ensembles. Der Abend verlangt Konzentration, was gut zum Setting der Hotellobby passt. Das Publikum hört heimlich mit, schnappt zuweilen nur Wortfetzen auf, anderes geht im Klangteppich unter.

Damals herrschte die Grippe

Fast zwei Stunden lang referieren die drei Geschichtswissen, bringen Wirtschaftssysteme gegeneinander in Stellung und verhandeln sexuelle Orientierungen und rassistische Diskriminierungen. Der 1974 geborene Stijn Devillé widmet sich auf dem Theater gern moralischen Fragen. Mit anderen leitet er das Stadttheater von Leuven, Hasselt und Genk „Het Nieuwstedelijk“ und die neue Arbeit ist eine Koproduktion mit dem Mainzer Staatstheater und dem Theater im Bauturm Köln.

Die Bühne von Saskia Louwaard spart mit Requisiten, ein paar aufgestellte Spiegel künden von Versailles, ein Stuhl, ein Tisch, ein Bänkchen stilisieren den Rest. Wenig, um vom Faktengewitter abzulenken. Auch wenn der Text nicht viel szenisches Futter enthält, gelingen immer wieder Momente, in dem sich Dinge schön verdichten, etwa wenn anhand der Geschichte des Pariser Hotels „Majestic“ Zeitläufte zwischen Krieg und Frieden glänzen.

Als wendigste Figur erweist sich Pas in der Rolle von Keynes. Ein quirliger Springinsfeld neben einer sich ihrer Laszivität bewussten Ballerina (Lisa Eder). Humormäßig kommt der Abend jedoch leider nicht aus dem Quark; die Komik ist eher schwerfällig und versprüht den Charme von 60er-Jahre-Fernsehen. Dennoch verlässt man den Saal nicht geknickt, was auch an der klaren Botschaft des Stückes liegt, die unsere Welt als veränderbar kenntlich macht. Zum Schluss heißt es verheißungsvoll: „Da liegt noch viel Arbeit vor uns.“

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