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Mit Kopfhörern vorbei an bekannten und weniger bekannten Frankfurter Orten: Der Audiowalk „Der Rache nicht“. Foto: Christian Schuller.
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Mit Kopfhörern vorbei an bekannten und weniger bekannten Frankfurter Orten: Der Audiowalk „Der Rache nicht“.

Theater

Frauen in Rot

  • Jakob Maurer
    VonJakob Maurer
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Der Audiowalk „Der Rache nicht“ des Kollektiv Widerhall und des Studio Naxos lässt mitten in Frankfurt Bilder im Kopf entstehen – und erinnert an Schicksale verfolgter Künstler:innen.

Sie tauchen auf in der Menge. Mal stehen sie einfach stumm da, während Menschen mit Einkaufstauschen vorbei in die Fußgängerzone huschen. Mal packen sie den Fotoapparat aus und mal tanzen sie über Plätze: Frauen in Rot, in roten Mänteln, um genau zu sein. Mit ihren schwarzen Hüten und braunen Lederhandschuhen fallen sie aus der Reihe – und bauen eine Brücke in die Vergangenheit. Zwischen dem, was heute ist und gestern war.

Das Kollektiv Widerhall hat in Kooperation mit dem Studio Naxos ein dokumentarisches Hörspiel geschaffen, das in Form eines Audiowalks begleitet von kleinen Spielszenen mitten durch Frankfurt führt.

„Der Rache nicht“ schildert das Schicksal realer Künstlerinnen aus der Weimarer Republik, die vom NS-Regime verfolgt und nach und nach aus dem kulturellen Leben Frankfurts verdrängt wurden. „Hm, guck’ dich mal um“, flüstert eine Frauenstimme nervös ins Ohr, während Herzklopfen einsetzt, „siehst du das auch, die Frau, die zu uns rüberguckt?“

Die Kombination aus dem atmosphärischen Sound-Design von Louisa Beck mit industriellen Klängen und den stimmungsvoll eingesprochenen Texten zieht hinein in eine Geschichte, die vor der Oper Frankfurt ihren Anfang nimmt.

Verfolgt vom NS-Regime

Hier hängt, leicht zu übersehen, eine bronzene Gedenktafel. Sie ist im öffentlichen Raum der einzige Hinweis auf einige der Protagonistinnen. Sobald die gut 70 Minuten lange Audiodatei auf dem mitgebrachten mobilen Endgerät gestartet ist, wird von hier aus an einer Reihe von Orten auf einer Strecke von rund drei Kilometern gezeigt, wie sehr andere Spuren verloren gegangen sind.

„Wir können uns entscheiden zu erinnern“, sagt die Stimme und fragt dann gleich: „Aber wie, wenn man nicht weiß, an was?“ Das will der Audiowalk ändern.

Die Fotografinnen Nini und Carry Hess etwa betrieben am Börsenplatz eines der berühmtesten Fotoateliers der Weimarer Republik. Dort lichteten die jüdischen Schwestern Berühmtheiten wie Joachim Ringelnatz, Max Beckmann, Thomas Mann oder Anna Pavlova ab – heute ist vom Gebäude, in dem sich das Studio befand, nur die Fassade übrig.

Die Altistin Magda Spiegel galt als Jahrhunderttalent und reüssierte an der Oper, wo sie „immer wieder Wagner!, Wagner!, Wagner!“ sang, wie die Frauenstimme mehrfach betont. 1944 wurde sie in Auschwitz ermordet.

Als der stets klar beschriebene Weg zur Alten Oper führt, kommen zu den realen Spielszenen mit den Frauen in Rot plötzlich Bilder im Kopf. Drinnen im Opernhaus, so schildert es die Stimme, wird Premiere gefeiert. Draußen in der Freßgass marschieren SA-Truppen auf, kommen immer näher und stürmen das Haus.

Die Hörerinnen und Hörer erfahren den öffentlichen Raum Schritt für Schritt, Platz für Platz, Kreuzung für Kreuzung physisch. Gleichzeitig legt sich darüber eine fortlaufende Tonspur voll detaillierter Informationen, die eine besondere Art der Interaktion ermöglicht.

An all den Orten, an denen man sonst meist vorbehielt, deckt das auditive Geflecht aus fiktiven Textpassagen sowie historischen Schilderungen, Zeitungsartikeln, Prozessakten und Briefen auf, was fast vergessen scheint.

Audiowalk „Der Rache nicht“:

Infos unter wwww.studionaxos.de.

Termine: 30. April sowie 2./8./9. Mai. Reservierung per Mail notwendig.

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