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Kühles Raum-Design: Die Kaiserin, Erika Sunnegårdh, strebt nach oben.
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Kühles Raum-Design: Die Kaiserin, Erika Sunnegårdh, strebt nach oben.

Staatstheater Wiesbaden

Die Frau mit wenig Schatten

"Die Frau ohne Schatten": Der neue Intendant Uwe Eric Laufenberg greift mit seiner ersten Wiesbadener Inszenierung hoch und überzeugt weitgehend.

Von Bernhard Uske

Die Frau ohne Schatten“ von Richard Strauss ist eines der Schwergewichte der Musikgeschichte, das wohl ambitionierteste Werk des diesjährigen Jubilars und zugleich eines der abgründigsten und transzendierendsten Dramen Hugo von Hofmannsthals.

Der neue Wiesbadener Intendant Uwe Eric Laufenberg hat sich diesen Brocken als Visitenkarte seiner Kunst gewählt: ein Mixtum Compositum aus mythologischen, religiösen und märchenhaften Quellen samt zahllosen Punktierungen am Körper der Opern- und Dramenliteratur nicht nur von „Zauberflöte“, „Ring des Nibelungen“ oder „Faust II“ in unterschiedlichsten Raum-Zeit-Konstrukten. Für jede szenische Realisierung eine Herausforderung!

Den Text lesen, die Musik hören und auf das Medium warten, das dereinst die Verflüssigung der Zeiten und Räume, die hier zwischen Leibern und Seelen, oberen, unteren, jenseitigen und vorzeitigen Welten stattfindet, ermöglichen könnte – das gilt für solche Entwürfe. Die zwar vielleicht nicht direkt nach Hollywood, aber zumindest nach dem Film schreien, wo von magischen und transzendierenden Momenten allemal mehr erfasst wird als bei den Bretterboden-Realisierungen meist noch kreuzbraver Übertragungen in sozial-erzieherischer Absicht.

Laufenberg hat sich von Gisbert Jäckel eine Bühne bauen lassen, die sich ganz auf die Vertikale beschränkt – eigentlich zwei aufeinander gestapelte Bühnen, die herauf- und heruntergezogen werden wie ein Paternoster.

Das obere Gehäuse mit weiterem Aufstieg nach oben ist die Welt des Kaisers und der halb vermenschlichten Göttertochter, der Kaiserin, die sich zu den Menschen sehnt und ihren Schatten sucht als irdische Fortsetzung in Fruchtbarkeit.

Das untere Gehäuse ist der niedere Lebensraum des Färbers und seiner Frau, zu denen hin sich die Kaiserin und ihre zwischen den Welten agierende mefistofelische Amme begeben. Ihr Ziel ist, in diesem gutmütig beschränkten Nibelheim der Menschen der Färbersfrau den Schatten abzuluchsen, wie Loge und Wotan Alberich den Ring. Allerdings geht’s hier um die ganz Mensch werden wollende Göttertochter.

Man sieht kühles, steriles Raum-Design oben und eine ärmliche Produktions- und Lebensstätte unten. All das kommt über die längste Zeit ohne regietheatralische Ornamentierungen aus: weder die sozialen noch die geschlechterspezifischen Bildklischees brauchen bemüht zu werden.

Kleine Augenfänger

Oft dichte, in den Paar-Interaktionen schön ausgearbeitete Szenen bleiben haften. Stilisierte Visualisierungen des Liebeslagers im Kaiserhaushalt (ganz nackt) und rumpelige Kopulations-Turbulenz in der Färberhütte (bekleidet) sind kleine Augenfänger die als Aspekt des Affekten-Lebens völlig plausibel sind: ansonsten keine Fesselungen, keine Maschinenpistolen, kein flimmernder Fernseher nirgends.

Nur gegen Ende des zweiten Aufzugs kommt auf einmal und völlig unbegründet der Regieeinfalls-Gaul ins Traben und macht aus der Traumszene der Kaiserin ob des bevorstehenden Ende ihres Mannes in Versteinerung eine Folterszene: In einer Art Führerhauptquartier wird auf einem riesenhaften Reichskanzlei-Kartentisch Qual-Theater gemacht.

Mehr als ein visueller Aufreger während einer der schönsten Zwischenmusiken ist das zwar nicht. Es verschiebt aber unsinnigerweise in den folgenden Auseinandersetzungen die Bedeutungen. Dort werden jetzt statt Mythologie-nahen Blitz- und Donnererscheinungen Bombeneinschläge, zerstörte Häuserfassaden und ähnliches projiziert.

Der flauen Betroffenheit entspricht die finale Versöhnungsszene in nivellierter Mittelständischkeit mit Händeschütteln (aber ohne Sektglas). Statt allegorischer Emphase allenfalls ein Appetizer für die anschließende Premierenfeier. Insgesamt aber ergab sich doch ein sehr positiver Gesamteindruck, man darf gespannt sein auf Weiteres.

Musikalisch hatte Zsolt Hamar die vielen Fäden des fast viereinhalbstündigen Abends fest im Griff. Zusehends besser sättigte sich der Klang, brillierten die makellosen Blechbläser dieser oft lautstarken Partitur. Wunderbar abgehoben davon die weichen Streicherkantilenen.

Exzellent sang Thomas Piffka (Kaiser) mit schmelzendem und tragendem Tenor. Ebenbürtig die Stimme des Färbers von Oliver Zwarg. Hervorragend stimmlich und gestisch war die Färberin von Nicola Beller Carbone, während die intonatorisch tadellosen Stimmen von Erika Sunnegårdh und Andrea Baker (als Kaiserin und Amme) eine Tendenz zur Schärfe und kantigen Pressung in den voluminösen Höhen hatten.

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