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Chris Pichler, in Wiesbaden jetzt als Romy Schneider zu sehen.
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Chris Pichler, in Wiesbaden jetzt als Romy Schneider zu sehen.

Staatstheater Wiesbaden

Die Frau, die nie Sissi war

Chris Pichler schlüpft jetzt auch am Staatstheater Wiesbaden in die Rolle von Romy Schneider. Das geht beunruhigend gut auf.

Die österreichische Schauspielerin Chris Pichler, ebenfalls neu im Ensemble des Wiesbadener Staatstheaters, hat in der Tat eine erstaunliche, beunruhigende Ähnlichkeit mit der Romy Schneider der mittleren, beeindruckendsten Jahre.

Ihr Solo „Zwei Gesichter einer Frau“, das sie seit einigen Jahren im Programm hat, zeigt sie jetzt auf der Studio-Bühne, wo ein Tischlein, ein Sessel, ein Fernseher bereit stehen – ein Fernseher, der sie doppeln kann: zwei Gesichter! –, dazu ein Mikrofon und wenige Requisiten. Zigaretten, ein Glas „Rotwein“, den Romy Schneider erst nach der Pause braucht.

Am Anfang ist Chris Pichler wahnsinnig jung, die künftige Sissi auf der Zugfahrt zu ihrem ersten Dreh – noch weiß sie bloß, dass Mami nach München ruft und dass sie froh ist, in die große weite Welt zu kommen. 

Wie bei Marilyn Monroe und den vielen Schauspielerinnen, die in ihre Rolle schlüpfen, wird man auch im Falle von typisierenden Romy-Schneider-Adaptionen trotz allem immer ernüchtert sein, wenn man sich danach das Original anschaut.

Ein Kind, reizend und sonderbar

Aber Pichler vibriert vor Leben und Erwartung, es kann einen nicht kalt lassen. Man spürt die Beschäftigung mit Romy Schneiders Bewegungssprache, ihrer Mimik. Ein Kind, reizend und sonderbar, quasselt auch hier, wie ihm der Schnabel gewachsen ist.

So geht es aber nicht lange. Chris Pichler braucht manchmal einen neuen Hut, manchmal einen Morgenrock, meistens jedoch lediglich einen Augenblick, eine Körperdrehung, um älter zu werden. Es sind ja nicht nur zwei Gesichter – außer man geht davon aus, dass es Sissi und den kompletten Rest von Romy Schneider gibt –, die sich hier zeigen.

Es sind viele Lebensphasen, die zügig, aber nicht übereilt durchschritten werden: Romy Schneider, die sich in Alain Delon verliebt (und schon nicht mehr Sissi ist, ja nie Sissi war), die sich in Harry Meyen verliebt, die den Ruhm als Schauspielerin kennenlernt, die den Hass der Boulevardpresse und den Hass auf die Boulevardpresse kennenlernt.

Die Texte hat Pichler aus Romy-Schneider-Dokumenten zusammengestellt, eine Auswahl, die sich nicht auf Spektakel und Ausbrüche beschränkt, sondern auch die besessen intensive Auseinandersetzung der Schauspielerin mit ihrer Arbeit zeigt.

Chris Pichler schreit und wütet aber auch. Und sie zeigt auch für einige entsetzliche Momente die Mutter, die ihren Sohn verloren hat. Die berühmte verlebte Romy Schneider zeigt sie nicht. Ein würdiger Abend. 

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