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Menschen treffen auf Mondbewohner.

Staatstheater Darmstadt

„Frau Luna“: Luft Luft Luft

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Paul Linckes „Frau Luna“ als umweltbewusster Fastnachtsspaß am Staatstheater Darmstadt.

Man hört ihr ihr Alter nicht an. Die erste Fassung von Paul Linckes sehr berlinerischer Operette „Frau Luna“ wurde schon 1899 uraufgeführt, aber der berühmteste Song zum Beispiel, der über die Berliner Luft, kam erst Anfang der zwanziger Jahre dazu. Das vielfach erweiterte und überarbeitete Werk wird inhaltlich von einer bizarren Mischung aus Fortschrittsglauben und der Erkenntnis getragen, dass eh immer überall alle gleich sind, ob Mensch oder Mondvolk.

Staatstheater Darmstadt
 
8., 23. Februar. www.staatstheater-darmstadt.de

Es ist nicht abwegig, dass der diesmal Regie führende Schauspieler Klaus-Christian Schreiber einen neuen Text geschrieben hat, für diese Jahre und für diesen Ort, das Staatstheater Darmstadt. So geht es nun um die Klimakrise und die Rolle des aus Mondvolksicht irre dummen und gefährlichen Menschen. Und der Mondfahrer in spe, Freddy Steppke, wird am Ende nicht beim Grafen Zeppelin anheuern – was 1899 der letzte Schrei war –, sondern Berlin Richtung Darmstadt verlassen, um bei der ESA anzufangen. Wem das grundsätzlich zu karnevalistisch ist, der genießt allemal das quietschvergnügte Ausstattungs- und Revuetheater, das Schreiber zusammen mit Kostümbildnerin Carola Volles und Choreografin Amy Share entwickelt hat.

Schreibers Bühne, in der Mitte Steppckes Bude & Bett, zeigt in der Ferne schlichte Wohnungsblöcke mit beleuchteten Fenstern, die sich nachher flink in glamouröse Mondrevuetreppen umwandeln lassen. Die Erdbewohnerinnen und -bewohner kommen einem ganz bekannt vor. Der amerikanische Tenor Michael Pegher macht auch aus Steppcke einen Ami, seine Traumfrau Marie, Rebekka Reister, und deren Tante Frau Puse-Bach (eigentlich Pusebach, kleiner selbstironischer Scherz mit Doppelnamen), Lena Sutor-Wernich, sind tüchtige Operettenberlinerinnen. Auf dem Mond hingegen wohnen sonderbare Gestalten: Quiekende und piepende Elfen mit Kugel- und Kegelkörpern, dazu zahllose Individuen, die so verwunderlich wie stilbewusst wirken. Man kann sich kaum sattsehen, und der Chor (von Sören Eckhoff einstudiert) setzt sich zudem mit offenkundigem Wohlbefinden und Schwung in Bewegung. Wiederholungswitze – das Gepiepel, wenn sich die Elfen vor dem Wort „Mensch“ erschrecken – werden immer noch besser, was für sie spricht.

Die abgeklärte Frau Luna, Katharina Persicke, und ihre werten Bekannten Venus und Mars präsentieren sich als glitzernde Stars. Prinz Sternschnuppe, Ziad Nehme, hat seine tragische Vergänglichkeit noch nicht verinnerlicht und reagiert auf „Ist mir schnuppe“-Witze empfindlich. Das macht ihn besonders menschlich. Das Sagen hat auf dem Mond vornehmlich ein gewisser Theophil, David Pichlmaier, der mit der Künstlichen Intelligenz Stella, Karola Sophia Schmid, bandelt.

Die technische Verstärkung beim Singen trägt zur Fastnachtsatmosphäre bei. Linckes optimistische Marschmusik mit viel Trommelwirbel wird flott dargeboten unter Michael Nündel. Viele wollen endlich mitklatschen und tun es dann auch.

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