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Frankfurts neuer Generalmusikdirektor, Thomas Guggeis.
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Frankfurts neuer Generalmusikdirektor, Thomas Guggeis.

Oper Frankfurt

Frankfurter Harmonie

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Bernd Loebe stellt den jungen Thomas Guggeis als künftigen Generalmusikdirektor vor.

Wenn nach etwas Gutem etwas anderes Gutes beginnen soll, zieht ein Theaterintendant besser ein Ass aus dem Ärmel. So machte es also Bernd Loebe, der am Dienstag ankündigte, dass die Nachfolge von Generalmusikdirektor Sebastian Weigle nach dann 15 Jahren 2023/24 Thomas Guggeis antreten wird. Er habe, gerade weil es eine sehr gute Zeit gewesen sei, keine Weigle-Kopie gesucht, „eher muss es eine völlig andere Persönlichkeit sein, im Auftreten, im Alter, in der Herangehensweise“, so Loebe im Januar zur FR.

Dies kann man in der Tat einen Generationswechsel nennen, 32 Jahre trennen Weigle und den 28-jährigen Guggeis, in Dachau geboren, in Straubing aufgewachsen und bisher als Typus des seriösen Wunderkindes in Erscheinung getreten. Nicht nur, aber auch, weil er parallel zum Dirigieren Quantenphysik studiert und sich erst anschließend (sogar zuallererst noch probeweise) für die Musik entschieden hat.

Von einem singulären Talent zu sprechen, sei untertrieben, so Loebe. Dem Frankfurter Publikum konnte er schon auffallen, zuletzt als Dirigent eines originellen Museumskonzerts mit theatralen Zügen, zuvor bei einer halbkonzertanten „Ariadne auf Naxos“ im Opernhaus, die im Orchesterpart so ausgeklügelt war, dass ihre sinfonischen Seiten zutage traten. Ganz vergnügt ließ sich Guggeis dabei auch in die Handlung ziehen, abgesehen davon, dass er ohnehin ein mittanzender Dirigent ist, aber sein Tanz ist keine Show, sondern entspringt sichtbar einer Dringlichkeit, und hörbar behindert sie nicht die Genauigkeit und das Durchgearbeitete.

Theatralik und Präzision, genau das, was Oper braucht und einem Sinfonieorchesterleiter aber ebenfalls gut ansteht. Beides machen zu können und zu müssen, mag unbedingt für das Frankfurter Opern- und Museumsorchester gesprochen haben. So wird er, dies der Plan, von den zehn Programmen für die Museumskonzerte in der Alten Oper fünf selbst dirigieren.

Nicht zuletzt: freundlich

Er finde ein erfahrenes und versiertes, ein zudem neugieriges, aufgeschlossenes und nicht zuletzt freundliches Orchester in einem ausgezeichneten Zustand vor, so Guggeis, der auch die Regiehandschriften der Intendanz Loebe hervorhob. Wenn Guggeis seinen ersten Posten als Chefdirigent antritt, wird er zudem immerhin dreißig sein. Ist es schwierig, als Dirigent so jung zu sein? Gerade an Häusern mit ganz hohem Niveau, so Guggeis, sei es wirklich immer nur um Inhaltliches gegangen.

Zur laufenden Spielzeit ist Guggeis zum Staatskapellmeister an der Oper unter den Linden in Berlin ernannt worden, ein vom Orchester verliehener Ehrentitel. Daniel Barenboim, Generalmusikdirektor der Staatsoper, ist sein Mentor und das Haus auch der Ort von Guggeis’ erstem Triumph und Durchbruch, als er 2018, Korrepetitor und Barenboim-Assistent, in der „Salome“-Premiere einsprang. Christoph von Dohnányi, damals 88, hatte sich vor allem über eine phallusartige Rakete, die in der Inszenierung von Hans Neuenfels, damals 76, Jochanaans Gefängnis darstellte, so geärgert – nicht aus ästhetisch-moralischen, sondern aus klanglichen Gründen –, dass er wütend das Feld räumte. Guggeis, damals 24, war im Bilde und konnte souverän übernehmen.

Barenboim war es auch, der ihm riet, als Kapellmeister an die Oper Stuttgart zu gehen; an der Staatsoper in Berlin dirigierte er auch in dieser Zeit gleichwohl weiter, debütierte an etlichen Häusern, an die er häufig direkt zurückkehrte, zuletzt etwa mit einem hochgelobten „Peter Grimes“ (einer Wiederaufnahme einer Christoph-Loy-Inszenierung) an das Theater an der Wien. Beständigkeit macht aus Wunderkindern Erwachsene.

Loebe erklärte am Dienstag, dass er Guggeis’ Werdegang seit der dollen „Salome“-Geschichte verfolgt habe, der Kontakt sei eng, der Übergang auch vom dann scheidenden, aber weiterhin willkommenen GMD Weigle harmonisch. Seit mehreren Jahren, so auch Guggeis, sei man in sehr intensivem Austausch, so dass er beim Spielplan ab 2023/24 bereits habe mitsprechen können. An Mozart führe kein Weg vorbei, sagt er, so dass es ihm gefällt, in Frankfurt seinerzeit als Erstes das Requiem dirigiert zu haben. Richard Strauss und Richard Wagner interessieren ihn natürlich und offensichtlich. Zeitgenössisches aus dem 20. und 21. Jahrhundert nennt er als dritten Akzent.

Andererseits wird sich das Publikum gedulden müssen, nach zuletzt mehreren Frankfurter Auftritten sieht es derzeit so aus, dass er erst als GMD wieder am Haus dirigiert. Auch eine Corona-Folge; das große Termine-Nachholen hat längst begonnen.

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