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Mousonturm Frankfurt

Forced Entertainment: „End Meeting For All“ – Eine Zwiebel muss her

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Auch Forced Entertainment sendet jetzt aus dem Homeoffice.

Has it started?“ fragt Tim Etchells und wirkt noch ein bisschen verpeilt. Robin Arthur scheint bei lustloser Büroarbeit. Richard Lowdon starrt in die Kamera, später wird er sich als Skelett verkleiden. Terry O’Connor hält sich an Alkohol und findet, dass nichts so schön traurig macht wie Gin. Cathy Naden möchte weinen können (keine Ahnung warum) und betupft sich die Augen mit Wasser. Claire Marshall wendet ein, das funktioniere nicht wirklich, und rät zur Zwiebel aus der Küche. Kein Problem, Cathy Naden scheint sich ja ohnehin in ihrer Küche aufzuhalten. Sie viertelt und reibt, autsch autsch, die Zwiebelstücke über die Augen.

Die Performancegruppe Forced Entertainment um den vielseitigen Tim Etchells ist spezialisiert auf – scheinbare! – Kunstlosigkeit, auf den Darsteller als Mensch wie du und ich. So ist es naheliegend, dass die Engländer wegen der aktuellen Situation des Theaterbetriebs aus dem Homeoffice senden, jeder der sechs aus seinem. Der Frankfurter Mousonturm und andere Theaterhäuser hatten FE mit einem neuen Stück beauftragt, man liefert also (erstmal?) den kleinen Dreiteiler „End Meeting For All“ – eine halbe Stream-Stunde lief am Dienstagabend (weiter geht es am 5. und 12. Mai, 21 Uhr, auf www.mousonturm.de).

Interessiert guckt man bei den Entertainlern ins Wohn- oder auch Schlafzimmer. Fragt sich, ob es nun zur, nun ja, Inszenierung gehört, dass Tim Etchells angeblich zwei Pakete bekommt oder hat tatsächlich der Postbote geklingelt? Was ist spontan, was abgesprochen? Soll es holpern, holpert es irgendwo unabsichtlich?

Eine Handlung gibt es nicht, das war aber bei FE auch gar nicht zu erwarten (außer sie erzählen alle Shakespeare-Dramen nach). Claire Marshall zupft ständig an einer wilden Grauhaarhexenperücke („this fucking wig“) und gibt vor, seit einem Jahr und einem Tag in der Isolation zu sein. Textsicher ist sie noch nicht, andere soufflieren. Cathy Naden schafft es mit Zwiebelhilfe zu weinen. Plötzlich schluchzt Robin Arthur mit. Und auf der Videokachel links oben sitzt das Skelett nun still auf seinem Bett. Überhaupt ist der Tod stumm und irgendwie melancholisch, müsste er nicht eigentlich triumphieren?

Die ebenfalls am Küchentisch sitzende Kritikerin hat den Verdacht, dass „End Meeting For All“ kein guter Einstieg ins FE-Universum ist. Im andern Fall aber folgt man dem Treiben der FEler wie dem lieber alter Bekannter.

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