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 Fiston Mwanza Mujila.
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Fiston Mwanza Mujila.

Theaterakademie

Ich gehöre zur Gruppe 47

  • vonStefan Michalzik
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Der Autor Fiston Mwanza Mujila per Videokonferenz bei der Hessischen Theaterakademie.

Es ist – natürlich – nicht allein die Sprache, die es zu erlernen gilt, wenn man von einem anderen Kontinent nach Westeuropa kommt. 10 Uhr 28 als Abfahrtszeit für einen Zug – als er diese Zeitangabe zum ersten Mal gesehen habe, sagt der in Graz lebende und an der dortigen Universität afrikanische Literatur lehrende kongolesische Dramatiker, Lyriker und Romanautor Fiston Mwanza Mujila, habe ihn die minutiöse Festschreibung verblüfft. In seiner Heimat stehe alles unter dem Zeichen einer gewissen Flexibilität.

Es geht um Erzählweisen

Das Vorherrschen einer weißen, eurozentrischen Kultur an den Stadttheatern deutscher Sprache ist in den letzten Jahren verstärkt in den Fokus einer Debatte um Diversität gerückt. Dass es da nicht allein um Inhalte, sondern auch um Erzählweisen geht, bestätigte sich bei dem Gespräch, das seine Verlegerin Friederike Emmerling vom Verlag S. Fischer im Zuge der Ringvorlesung „Theater und die Krise der Demokratie“ der Hessischen Theaterakademie mangels der Möglichkeit vor Ort im Mousonturm via Videokonferenz mit Mujila geführt hat.

Im Stück „Der Garten der Lüste“, eine Auftragsarbeit für das Deutsche Theater Berlin und das Festival Frankfurter Positionen 2021, kreiert ein zivilisationsmüder Professor im Ruhestand eine ideale Welt, in der alles, was wir gegenwärtig falsch machen – Stichwort Klimakatastrophe –, richtig gemacht wird. Selbstredend strebt die ganze Welt nach diesem von einer Vision der offenen Grenzen geprägten Sehnsuchtsort, daraufhin schottet der sich ab. An die „Festung Europa“, wie Friederike Emmerling vermutet, habe Mujila indes „irgendwie, aber nicht wirklich direkt“ gedacht. Interessiert habe ihn vielmehr die Ambivalenz der Lust. Zur Anschauung führt er den Kater nach dem Genuss von zuviel Bier an. Mitnichten sei es ihm darum gegangen, das Gemälde von Hieronymus Bosch zu überschreiben.

Die Kolonialisten-Sprache

Mujilas Stück „Zu der Zeit der Königinmutter“, uraufgeführt Anfang vergangenen Jahres am Wiener Akademietheater, ist das erste, das er in deutscher Sprache geschrieben hat. Französisch, die Sprache, in der er seine Werke anfänglich verfasst hat, sei für ihn die Sprache der Kolonisatoren. Naheliegend die Einwendung, auch das Deutsche sei doch historisch belastet. Mujila bezieht sich jedoch auf die Genealogie (West-)Deutschlands in den Nachkriegsjahrzehnten, für die Autoren wie Heinrich Böll, Siegfried Lenz und Ingeborg Bachmann (die war Österreicherin, aber das tut vielleicht gar nicht so viel zur Sache) stehen – und zieht den Vergleich zu dem zerstörten Kongo. „Ich gehöre zur Gruppe 47“, sagt er.

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