+
Frauen unter sich, darunter mehr als eine Callas.

Kammeroper "Callas, natürlich!"

Der exponierte Ton

Mit doppelter Diva und drei Glamourgirls: „Callas, natürlich!“, das neue Programm der Kammeroper Frankfurt.

Von Stefan Michalzik

Dieser Abend lässt sich kulinarisch-genüsslich goutieren – das ist preisenswert ohne zweite Schneide. Da steckt eine gewisse Paradoxie darin, denn die eineinvierundsechzigstel historische Personen, um die es geht, sind mit ihrem künstlerischen Programm in einer bahnbrechenden Art gegen eine blanke Kulinarik auf der Opernbühne angegangen.

„Callas, natürlich!“ nennt Rainer Pudenz von der Frankfurter Kammeroper eine Szenenfolge, für deren Aufführung er die Weihehalle der Unitarischen Religionsgemeinde zur Kulisse nimmt. Das ist ein gleichsam „authentischer“ nachkriegsmoderner Raum für eine um berühmte Arien und Lieder von Cherubini, Massenet, Schubert und etlichen anderen gewobenen biografisch-fiktionalen Collage von gleichsam kabarettistischer Intimität, die sich mit dem zeitgleichen Ringen um eine moderne Auffassung von der Oper als Ort des Dramatischen beschäftigt.

Es wird ungeachtet eines komischen Ansatzes ernsthaft und anrührend gesungen seitens eines Ensembles von sechs hervorragenden Solistinnen. In einer unverkennbaren Aufmachung – Kostüme: Margarete Berghoff – spielen Ingrid El Sigai und Djuna Kalnina eine gedoppelte Callas, die unter anderem als gestrenge Lehrerin Marotten wie den aus Gefallsucht zu lange gehaltenen exponierten Ton geißelt. Louise Fenbury, Tamara Gerhard und Heidrun Höflinger markieren ein Jungsängerinnentrio von Glamourgirls. Die Mezzosopranistin Velina Bozhilova gibt den einzigen – und brillanten – Versuch einer unmittelbaren parodierenden sängerischen Imitation der Callas.

Zwischen Ohnmachten

Wie erwartet ist szenisch viel „Pudenz, natürlich!“ drin, mit grotesk pointierten Grimassen, mit Rangeleien und mit melodramatischen Ohnmachtsstürzen. Sehr kurz – daher eineinvierundsechzigstel Personen – wird Walter Felsenstein abgehandelt, der zu Recht als Geistesverwandter der Callas zitiert wird.

Regisseur Felsenstein, der von 1947 an die Komische Oper in (Ost-)Berlin leitete, hat revolutionäre Großtaten eines auf Sängerdarstellern basierenden Musiktheaters vorgelegt, in dem es genau um den dramatischen Gehalt zwischen den Noten ging, aus dem die Künstlerin Marias Callas ihre phänomenale Wirkung schlug. Ihm gilt ein Textkeil bald nach der Pause von dem Autor Bert Bresgen, der allerdings so papieren ist, dass er besser im Programmheft verblieben wäre.

Dramaturgisch ist der Abend ein wenig holprig, aber das tritt angesichts eines agil und witzig agierenden Ensembles in den Hintergrund. Zum finalen Kracher mit einem trunkenen Jungsängerinnentrio auf der Grundlage der Barcarole aus „Hoffmanns Erzählungen“ kopuliert eine Sängerin ohne sonderlichen Grund mit dem Flügel, an dem Marco Ramaglie den ganzen Abend über ein aufmerksamer Begleiter gewesen ist. Das ist sehr nach Art des Hauses.

Kammeroper Frankfurt in der Unitarischen Freien Religionsgemeinde: 13., 15., 16., 21., 22.- 24. April und weitere Termine. www.kammeroper-frankfurt.de

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion