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Erfreulich: Offenbar gibt es 2214 noch den Chagall-Saal. Jedenfalls den Chagall. Vorne Caroline Dietrich (l.), Heidi Ecks.
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Erfreulich: Offenbar gibt es 2214 noch den Chagall-Saal. Jedenfalls den Chagall. Vorne Caroline Dietrich (l.), Heidi Ecks.

Schauspiel Frankfurt

„Eternal Peace“: Die Lösung aller Probleme

Das Schauspiel Frankfurt zeigt die fabelhafte Miniserie „Eternal Peace“.

Es ist relativ übel, jetzt auf den ursprünglichen Spielplan des Schauspiels Frankfurt zu schauen. So viele gute Ideen, so viel Rücksichtnahme auf die Lage, und doch alles in Trümmern.

Die vor langer Zeit in einer anderen Welt – einer Welt, in der wir dachten: wird schon werden, passen wir halt aufeinander auf und halten Abstand – für den 20. November 2020 angekündigte Premiere von „Eternal Peace“ ist aber ihren eigenen Weg gegangen. Aus der Stückentwicklung von Alexander Eisenach wurde eine Science-Fiction-Miniserie, wirklich sehr mini, jeweils ein paar Minuten, ach, wäre sie doch länger, aber es steckt einiges drin.

Innerhalb von drei Tagen hergestellt, rückte sie den ursprünglich für die Videos in der Kammerspielaufführung zuständigen Filmregisseur Oliver Rossol in den Vordergrund, der mit Eisenach und dem Team pfiffig das Genre bedient. Nachdem die sechs Teile an fünf aufeinanderfolgenden Abenden (am Anfang wie bei jeder anständigen Serie eine Doppelfolge) freigeschaltet wurden, steht jetzt die komplette Staffel bereit. Zur Verpackung gehört ein Vorspann mit einem Testbild der Zukunft und Sven Michelsons Musik, danach ein rasantes „was bisher geschah“. Das Spielerische und das Verkopfte, das Perfektionistische und das Improvisierte im Verein.

Der „ewige Frieden“ ist von den abgeklärten, entemotionalisierten Nachfolgerinnen und Nachfolgern eines nach allen Regeln der Kriegskunst und des Klimawandels zugrunde gegangenen Europas offenbar erfolgreich hergestellt worden. Bei einem Begriff wie „Finanzwirtschaft“, um ein einziges Beispiel zu nennen, wissen diese Leute gar nicht mehr, wovon die Rede ist. Sie sind sachdienlich, kichern nicht rum, sind in erschütterndem Maße nicht unglücklich. „Die posthumanistische Wende“, heißt es einmal lapidar, „hat unser Überleben gesichert.“

In einer Evaluation – früher wäre es wohl die Sitzung bei der Betriebspsychologin gewesen – muss die unwahrscheinlich geruhsame Wissenschaftlerin Heidi Ecks zur Kenntnis nehmen, dass der im Außendienst tätige Sebastian Kuschmann Träume hat. Das ist nicht mehr vorgesehen. Zusammen mit Caroline Dietrich, ihrer Kollegin (das sind alles Hilfsbegriffe, wer weiß, wie man das 2214 nennt), reisen sie und Kuschmann in jenes unbewohnte Niemandsland, in dem Interferenzen Kuschmanns Unbewusstes aktiviert haben könnten. Als schamanischer Pfadfinder begrüßt sie Christoph Pütthoff am „letzten Außenposten der zivilisierten Welt“ (Frankfurt, einer offenbar nicht mehr verwendeten Stadt). Das stillgelegte Ausflugsschiffchen einer uns noch wohlbekannten Linie steht zur Weiterfahrt zur Verfügung.

In einer Parallelhandlung durchforschen Anna Kubin und Fenna Benetz Höhlen, in die sich einst die letzten Überlebenden der europäischen Katastrophen zurückzogen. Hierbei scheint es sich um die Unterbühne zu handeln, wie die gesamte Geschichte im Theater anfängt und endet.

Was hat das alles zu bedeuten? Nichts Gutes, gar nichts Gutes. „Die alten Kulturen dachten, sie würden ewig leben“, heißt es einmal und davon erzählt Eisenach: Dass die Dinge, wie sie uns vertraut sind, dann wirklich mit Schrecken enden und verschwinden. Der verrückte Trost darin: Dass die Mittel, mit denen er es vorführt, die eines Spiels sind, das es in „Eternal Peace“ nicht mehr gibt. Man zieht sich lustig an – optisch (Bühne Daniel Wollenzin, Kostüme: Julia Wassner) ist das ein lebenszugewandter Mix aus „Raumpatrouille Orion“ und Theaterfundus –, man tut so, als wäre man eine andere Person, man stellt sich vor, was als nächstes passieren könnte. So ist das im Film und so ist das auch im Theater.

Schauspiel Frankfurt digital: Alle sechs Folgen auf www.schauspielfrankfurt.de

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