Komödie Frankfurt

Erotische Nutzfläche

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„Was dem einen recht ist“ in der Frankfurter Komödie.

Die Gesellschaft ist doch seltsam. Als Herzchirurg Paul Burdick seine Geburtstagsfeier als wahrhaftige Überraschungsparty zelebriert und in deutlichen Worten verkündet, Frau, Freunde, Haus und Arbeitgeber für ein neues Leben an der Seite einer 31 Jahre jüngeren Krankenschwester zu verlassen, werten viele in seinem Umfeld das als normale Reaktion auf die Midlifecrisis des Sechzigers. Als jedoch die Sitzengelassene selbst kurz darauf eine Affäre mit einem Mann beginnt, der noch nicht mal so alt ist wie das eigene Kind, erntet sie dafür wenig Verständnis.

So weit, so bestens bekannt. Viel mehr steckt an Handlung nicht drin in Donald R. Wildes Lustspiel „Was dem einen recht ist“, das seit Donnerstag in der Frankfurter Komödie zu sehen ist. Das wenige, was noch kommt, ist vorhersehbar.

Dass das von Regisseur Pascal Breuer geführte Ensemble mit dessen Neubearbeitung des Stoffes aus der Hand des 2015 verstorbenen amerikanischen Autors dennoch einiges an Lachern im Publikum provoziert, liegt vor allem an der eigenen Qualität. Die Darsteller spielen ihre Rollen überzeugend: Neben TV-Star Anja Kruse als selbstständige, attraktive Ladenbesitzerin Patricia Burdick, die einen vermeintlich starken Typen an ihrer Seite eigentlich gar nicht nötig hat, und Deborah Müller, die die im Umgang eher gewöhnungsbedürftige, weil spröde Tochter Donna gibt, ragt dabei besonders Tanja Bahnami heraus. Als korpulentes und temperamentvolles Energiebündel Geraldine muntert die Rheinländerin mit selbstironischer Art und einer satten Portion Humor nicht nur die nach dem Ehe-Aus niedergeschlagene Freundin auf. Bahnami setzt Sprüche wie „Ich bin nicht dick, das ist erotische Nutzfläche“ oder „Ist das noch das Orgasmusgesicht oder schon ein Bandscheibenvorfall?“ so pointiert und gut getimt ein, dass sie ihre Wirkung nicht verfehlen, obwohl man die meisten davon nicht zum ersten Mal hört.

Da auch Felicitas Hadzik als aus Osteuropa stammende und sich in alles einmischende Haushaltshilfe Helen mit platinblondem Dutt und körperbetontem Body ihr Werkeln im eleganten, in Pastellfarben gehaltenen Wohnzimmer (Bühne: Thomas Pekny) mit frechen, jedoch aufgesetzt wirkenden Bemerkungen ergänzt, haben es die beiden Herren, Christian Fischer als der entlaufene Gatte und Florian Stadler als schöner Liebhaber Stephen Green, in diesem Matriarchat eher schwer. Quasi als Entschädigung bekamen sie eine temporäre Partnerschaft und den damit verbundenen überhöhten Alkoholkonsum auf die Leiber geschrieben. Die daraus resultierenden Gleichgewichtsstörungen, die einzige, zumindest im Ansatz den Namen verdienende Slapstick-Einlage innerhalb von zwei Stunden, fügen sich anstandslos in den schmalen Plot ein.

So bietet das Stück über Doppelmoral und Vorurteile, das in den USA angesiedelt ist, aber auch ins eigene Land passt, was man von ihm erwarten durfte, wenn man im Programmheft geblättert hat. Auf weitere Wendungen wartet man vergeblich.

Komödie Frankfurt: bis zum 17. März. www.diekomoedie.de

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