„Erfolg I. Johanna“ im Studio Naxos, mit Sarah Gailer, Andrea Spicher und Florian Mania.
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„Erfolg I. Johanna“ im Studio Naxos, mit Sarah Gailer, Andrea Spicher und Florian Mania.

Studio Naxos

Die Frau und die Schatten

  • Judith von Sternburg
    vonJudith von Sternburg
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Das Frankfurter Studio Naxos startet einen Theater-Dreiteiler zu Lion Feuchtwangers Roman „Erfolg“.

Erfrischend ergebnisoffen – obwohl der Programmzettel gleich etliche Stichwörter nennt: Feminismus, Demokratie, Diversität – startet ein dreiteiliges Projekt in der Frankfurter Naxoshalle. Es widmet sich Lion Feuchtwangers „Erfolg“ (seinerseits der erste Teil der „Wartesaal-Trilogie“), einem hochklassigen und weitverzweigten Schlüsselroman über das politisch-kulturelle Bayern in den zwanziger Jahren.

Umso bemerkenswerter, wie geschickt sich das junge Ensemble, das sich „Eleganz aus Reflex“ nennt und den Abend in Kooperation mit dem Studio Naxos umgesetzt hat, eine interessante Scheibe herausgeschnitten hat. „Erfolg I. Johanna – Geboren um Liebe zu geben?“ blickt auf den Kampf Johanna Krains um die Freilassung ihres Freundes Martin Krüger. Ein Justizskandal hat den als „links“ geltenden Kunsthistoriker ins Gefängnis gebracht. Johanna Krain, eine typische Lieblingsfigur Feuchtwangers, lässt das nicht auf sich beruhen.

Hier hakt das Ensemble ein, lässt eine kühl-kecke, bodenständige Johanna tun, was sie tun will. Im Frankfurter Text zeigt sich auf dem Weg zum Ziel schon eine gewisse private Enttäuschung, weil sie Krüger heiratet, während sie sich inzwischen für einen gewissen Tüverlin interessiert. Im Roman ist Jacques Tüverlin – in dem man durchaus Feuchtwanger selbst sehen darf – zu diesem Zeitpunkt längst zum wichtigen Akteur geworden. In der Naxoshalle müssen alle anderen neben ihr aber schattenhaft bleiben. Für eine Stunde Theater ist es gut so, wie es ist.

Es entsteht eine glückliche Verbindung aus den flüchtigen Bildern und Feuchtwangers großartigen Menschenschilderungen und Dialogen. Sarah Gailer, Andrea Spicher und Florian Mania spielen Johanna und alle anderen, der stete gleitende Rollentausch macht die Figuren nicht unindividuell, zu stark der glasklar, mit Freude an der Sprache gesprochene Text. Regisseurin Carolin Millner setzt auch auf Pantomime, alles erscheint immer abstrakt und konkret zugleich, eine Aneinanderreihung von Miniaturen.

Ein taubenblauer Samtvorhang – Ausstattung: Maylin Habig und Nils Wildegans – umschließt eine kreisrunde Fläche, aus der heraus zuerst nur geredet wird. Schemenhaft nackte („nackte“) Frauen erinnern an den Keim des Justizskandals. Gailer, Spicher und Mania, dann in schwarz-weiß mit extrem roten Socken, fahren mit Johannas Eintritt in die „Gesellschaft“ zunehmend groteske Kostüme auf. Kein Mummenschanz, aber schon ein Bekenntnis zum satirischen Gehalt des Textes, der ansonsten dadurch erst recht knusprig trocken vorgetragen werden kann. „Erfolg II“ und „Erfolg III“ sollen folgen.

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