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Seong-Jin Cho in der Alten Oper.
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Seong-Jin Cho in der Alten Oper.

Alte Oper

Die Erfindung des Impressionismus in Frankfurt

Pianist Seong-Jin Cho lässt in der Alten Oper staunen, die Berliner Philharmoniker präsentieren sich als Klangkörper.

Eine deutsch-französische Auswahl in der Alten Oper Frankfurt ergab sich auch aus der Änderung, die die Absage des Pianisten Lang Lang und die Zusage des südkoreanischen Kollegen Seong-Jin Cho mit sich brachten. Cho spielte Maurice Ravels Klavierkonzert in G-Dur, eine Sommerabendmusik feinster und willkommener Art, die im Spiel des 23-Jährigen geläufig und beiläufig wirkte und bei also sagenhaft flach gehaltenem Ball doch genau auf den Punkt kam.

Im Mittelsatz hörte man ihn lange allein, mit mildem, aber festem Anschlag und mit einer nachdenklichen, selbstbewussten Leichthändigkeit, die auf den ersten Eindruck auch die in diesen Tagen erscheinende Einspielung von Debussy-Klaviermusik prägt (Deutsche Grammophon). Im Presto zeigte sich das Klavier von der frechen und plauderesken Seite, Cho blieb im Gestus aber lässig und geradezu beunruhigend abgeklärt, dabei so frisch, als wäre der musikalische Impressionismus und Pointillismus erst an diesem Abend erfunden worden.

Das Orchester ging mit Ravel etwas massiver um. Mit den Berliner Philharmonikern unter Sir Simon Rattle hatte Cho erst wenige Tage zuvor erstmals zusammengespielt, gemeinsam geht es im Zuge einer Berliner Asientour mit demselben Programm jetzt nach Hongkong und Seoul. Am Anfang stand Richard Strauss’ „Don Juan“, nach der Pause gab es Johannes Brahms’ 4. Sinfonie, beide von geschmeidiger Wucht. Im „Don Juan“ gestaltete der Konzertmeister seine Soli so süß, dass man sie mit nach Hause nehmen wollte. Rattle ließ auch Mulmiges geschehen, kombiniert mit glasklaren Passagen.

Bei Brahms war Rattles auswendiges und entspannt wirkendes, ihn an einer Stelle einfach als begeisterten Zuhörer zeigendes Dirigat noch erstaunlicher. Das Orchester verwandelte sich unter der Hand seines Chefs zu einem großen Organ. Alles Mechanische, was einem solchen ja zu Recht Apparat genannten Kollektiv anhaftet, fiel von ihm ab. Das zweite beliebte Synonym, Klangkörper, hier wurde es Ereignis. Ein allerdings nicht knochiger Körper, weicher kann man sich nicht in die großen ersten Streichertakte fallen lassen. Dass es den Berliner gelang, in der Süffigkeit nicht pauschal zu werden, sondern sich mit Eleganz und letztlich auch immenser Akkuratesse durch die Sätze zu schlängeln: Bewundernswert. Bei mittlerer Transparenz ließen sich unter anderem fulminante Soli der Holzbläser hören.

Rattle hat inzwischen zusätzlich seinen neuen Posten beim London Symphony Orchestra angetreten. In dieser Funktion kommt er im April wieder in die Alte Oper, unter anderem mit Mahlers Neunter. Klassische Musik ist ein globales Gewerbe, dessen Organisation sich unsereiner schwer vorstellen kann.

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