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Sam und Molly, frisch verliebt beim Renovieren.

English Theatre Frankfurt "Ghost"

Auf Erden die Hölle heiß machen

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Quicklebendig: Das English Theatre Frankfurt zeigt „Ghost“, ein Musical mit einem unerschütterlich liebenden Geist.

Zunächst kommt einem die Geschichte ganz unbekannt vor: Ein junger Ehemann wird auf der Straße erschossen, der Schuft, der dahinter steckt, ist sein Freund und Arbeitskollege, als Geist kehrt der junge und eben unsterblich verliebte Mann zurück, um seine bedrohte Frau zu schützen. Er braucht dafür ein dubioses Medium. Erst als man den Namen Whoopi Goldberg liest, erinnert man sich: Das war doch dieser Film ...

1990 spielten Patrick Swayze und Demi Moore die Hauptrollen. Goldberg war das Medium, eine offenbar deutlich einprägsamere Rolle, für die sie auch prompt einen Nebenrollen-Oscar bekam.

Seit langem gibt es auch eine Musical-Fassung von „Ghost – Nachrichten von Sam“, in Deutschland war sie bisher seltsamerweise (Herz, Schmerz, versprochenes Happy End im Himmel, was will man eigentlich mehr) noch nicht zu sehen. So dass das English Theatre in Frankfurt jetzt mit einigem und berechtigtem Stolz vermelden kann, es sei hierzulande das erste Haus, in dem ein singender Sam geistert, dort in einer Art variablem Loft (Bühne: Tim McQuillen).

Musik und Texte sind von Dave Stewart („Eurythmics“) und Glen Ballard, der schon mit so unterschiedlichen Musikern wie Aerosmith, Alanis Morissette und Michael Jackson gearbeitet hat. Bei so illustren Namen wundert es, dass die Songs über 08/15-Musicalkost kaum hinausreichen. Vielleicht ist aber genau diese Abgebrühtheit der beiden Komponisten der Grund dafür, dass die Melodien klingen wie schon dutzendmal im Lift gehört.

Dafür hat sich das English Theatre eine von Adam Penford verantwortete, üppig-flotte Inszenierung mit allerlei Spezialeffekten gegönnt. Per Vorhang und Video kann ein rasender U-Bahn-Wagen simuliert werden (Video: Duncan McLean). Die Hölle leuchtet dunkelrot und blinkert auch noch (Licht: Matt Daw). Die Akteure ziehen sich teils schneller um als der Schall (Kostüme: Sabrina Cuniberto).

Und natürlich gibt es veritable kleine Zaubertricks, sobald Geist Sam bei einem toten U-Bahn-Schläger gelernt hat, die Dinge mittels Willensanstrengung zu bewegen. Am Ende macht ein nun auch fürs Publikum unsichtbarer Sam seinem Ex-Freund schon auf Erden die Hölle heiß, indem er Bücher aus dem Regal stürzen, die Aktentasche sich öffnen lässt, indem der Laptop-Bildschirm sich selbsttätig dreht und die Tastatur blutrot tippt: Murderer.

Das Pfund, mit dem das English Theatre aber wahrhaftig wuchern kann, sind die überwiegend sehr jungen Sänger, Tänzer, Schauspieler – meist in Personalunion singend und tanzend, denn so ist das im Musical. Claudia Kariuki bekommt Szenenapplaus für ihr nicht auf den Mund gefallenes und vorzüglich soulröhrendes Medium.

Hannah Fairclough und Raquel Jones sind Louise und Clara, quicke und ebenfalls stimmstarke Medium-Sidekicks. Jonathan Bourne ist beratender Ko-Geist wie Kommissar wie einiges andere. Marios Nicolaides tanzt furios und guckt als gedungener Mörder Willie Lopez erst beim Schlussapplaus ganz lieb. John Addison hat auch als Geist noch eine angenehm warme Stimme, seine Frau Molly, Hannah Grover, singt klar wie ein Bergbach.

Es ist ein Musicalabend, wie er im Buch steht, unterhaltsam und flink, traurig und lustig, ein bisschen märchenhaft. Per Willenskraft tippen würde man eigentlich auch gern können.

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