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Theaterfilm

Ensemble 9. November: „Wenn Bücher brennen wird es hell ...“ – Schädliche Dünste verbreiten die Pest

  • VonMarcus Hladek
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„Wenn Bücher brennen wird es hell“: Ein Theaterfilm des Frankfurter Ensemble 9. November, der ohne Corona nur Begleitung wäre.

Wenn Bücher brennen wird es hell. Rauch steigt auf, Asche fällt“: so lautet der Titel des neuen Theaterabends des Frankfurter Ensemble 9. November, eingerichtet von Wilfried Fiebig (Regie, Dramaturgie, bildende Kunst). Ach, wenn er nur spielen dürfte. Aber Live-Premieren vor Publikum bleiben im pestilenzialischen Notstand verboten, was den 43-minütigen Theaterfilm gleichen Titels (Jörg Langhorst) gemessen am Ganzen zum Ersatz degradiert: Theater-Muckefuck. Ohne Covid-19 wäre der Film Begleitung. So sehr das „E9N“ eine Ästhetik des Gesamtkunstwerks verficht, die den Film für autonom erklärt, fehlt die Bühne dem in Parks, auf Bahn- und Stadtgelände aufgenommenen Film eben doch: uneinholbar. Es ist dies der Stempel der Zeit, die wir durchleben.

Zeit ist denn auch der lapidare Startpunkt in Fiebigs „europäisches Epos“. Noch vor dem Vergänglichkeitsmotiv der Sanduhr steht dieser Einstieg: „Es ist Zeit. Zeit ist.“ Da spürt man aus der Ferne, wie dem Hegelianer Fiebig, der die Dinge zu historisieren liebt, das Herze schlägt. Wie verlautet, hat er ein Textgerüst aus Ovid, Dante, Shakespeare (Metamorphosen, Komödie, Kaufmann) mit russischer, englischer und spanischer Lyrik verschnitten: Europa von der Antike zur frühen Neuzeit und weiter.

Kein Wunder, dass die behandschuhten Schauspielerinnen und Schauspieler in schwarzen oder dunklen Anzügen und kantig-poetischen Kostümbausteinen aus Metall, Papier, Netz und Federn (Eric Lenke, Katrin Schyns, Myriam Tancredi, Richard Köhler) mal auf hohen Kothurnen tragisch über den Bahndamm staksen, mal sich in Hand- und Körperspiegeln begutachten wie Narziss und Echo, damit die, Vorsicht Wortspiel, Reflexion nicht zu kurz kommt.

„Lodernder Brand“, tönt uns da parallel zu den verspielten Bildern infernalisch entgegen: „Scheiterhaufen ... Es brennen Euphrat, Ganges, Nil ... Frösche und Schlangen in kochenden Blutseen ... Schädliche Dünste verbreiten die Pest ... Der mächtigsten Städte ist sie Meister geworden.“ Trauert Hegel so den Zeiten nach, weil er die Ewigkeit nicht halten kann?

Theodor Köhler setzt das als Kompo- und Pianist mit Katrin Becht (Violine) und Stefan Weilmünster (Bassklarinette, Flöte, Saxofon) schön in Musik. Johanna Greulichs wohlklingender Sopran treibt die Sprech-Lyrik per Vor- oder Nachhall in sangliche Echos. Wie meist beim „E9N“ ergibt sich trittsicher eine Art intellektualisierte Nachfolge zur romantischen Hausmusik und Kunstliedtradition, die en passant elegische Kunstlandschaften erschafft und uns in wehmütiges Entzücken versetzt.

Ensemble 9. November: Video via www.gallustheater.de

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