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Endlich wieder ein Time Warp

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Von: Sylvia Staude

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Sollen sie eintreten, draußen bleiben? Janet und Brad und Riff Raff. Foto: Jochen Quast
Sollen sie eintreten, draußen bleiben? Janet und Brad und Riff Raff. © foto@jochenquast.de

Die schrille „Rocky Horror Show“ erfreut in Frankfurts Alter Oper.

Wenn man ein Bühnenwerk mit dem allzu strapazierten Begriff Kult belegen kann, dann die „Rocky Horror Show“. Kam es dazu, weil Richard O’Brien schamlos, aber hübsch gezielt bei alten Horrorfilmen klaute? Weil er die sexuelle Selbstbestimmung in einer Zeit feierte, in der sie tatsächlich erst noch erkämpft werden musste? Oder weil mit dem „Time Warp“ ein leicht nachtanzbares Kult-Choreografiechen gelang? Die Schreiberin jedenfalls lernte die „Picture Show“-Variante Mitte der 80er kennen: Seit September 1977 schon lief der Film in den Münchner Museum Lichtspielen, die einen Kinosaal dafür umgestaltet hatten, und irgendwann siegte nicht der neue Tarkowski, sondern die Neugier.

Das Publikum: präpariert

Jetzt ist die Tournee-Produktion der „Rocky Horror Show“ das erste große Entspannung-nach-Pandemie-Ding, das in Frankfurts Alter Oper gastiert. Ein nur kleiner Teil des Publikums kommt kostümiert, doch ein nicht unbeträchtlicher präpariert – wie gut präpariert, wird sich im Laufe des Abends herausstellen, als es (zart) tröpfelt und sprüht, Klopapier von der Schulter kullert, eine Karo Drei neben dem Schuh landet.

Und hier schon einmal das Wichtigste für Menschen (geschätzte 0,3 Prozent der bundesdeutschen Bevölkerung), die die „Rocky Horror Show“ nicht kennen und sie kennenlernen wollen: Lesen Sie vorher die Handlung nach, auch die Gebräuche der Eingeweihten, sonst werden sie erstens den Witz des Stücks nicht kapieren, weil zweitens die Texte wegen der engagierten Beiträge des Publikums nur rudimentär zu verstehen sind. Sogar die Texte des Erzählers (aktuell der glücklicherweise so distinguierte wie nervenstarke Sky du Mont), den man gefälligst mit „boring!“, langweilig, zu unterbrechen hat. Nicht immer kommt das am Premierenabend als Spiel rüber; die Aggressivität einiger Leute mag der langen Theater- und Unterhaltungs-Pause geschuldet sein.

Aber es liegt doch auch ein gewisses, vorsichtig frohes „endlich wieder“ über dem Saal. Äußerst enthusiastischer Applaus bei den ersten Band-Tönen und den ersten Auftritten von Sky du Mont, von Magenta, Sydnie Hocknell, von Claire Keenan und Sev Keoshgerian als Janet und Brad, Christian Lunn als Riff Raff. Und dann erst der Applaus für Frank’n’Furter: Oliver Savile ist ein prächtiger transsylvanischer Transvestite mit Augenaufschlag, Charisma und kraftvoller Stimme.

Überhaupt setzt sich ein Großteil des Ensembles stimmlich gegen die fünf ebenfalls auf der Bühne platzierten Musiker durch, aber es gibt auch einige zu leise Beiträge; vielleicht kann die Tontechnik an den folgenden Spieltagen noch nachbessern.

Natürlich gibt es eine Zugabe, wir sagen nur: Time Warp, lässt sich so schön mithüpfen und -jodeln. Aber es gibt am Ende auch einen Frank’n’Furter, der jetzt mal bitte ernst werden muss: Das Ensemble sammelt für die Ukraine. Ein Schuft, wer nach diesem Spaß nicht spendet.

Alte Oper , Frankfurt: bis 24. April. www.rocky-horror-show.de

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