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„Elegante Räume für ein pures Nichts“

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Von: Regina Kerner

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Regisseurin Sophia Coppola mit ihrem "La Traviata"-Choreographen Stephane Phavorin.
Regisseurin Sophia Coppola mit ihrem "La Traviata"-Choreographen Stephane Phavorin. © dpa

„La Traviata“ in Rom: Sofia Coppolas erste Opernregie fällt bei der Kritik durch und verkauft sich sagenhaft.

Der Glamour-Faktor zumindest von Sofia Coppolas Debüt als Opernregisseurin ist extrem hoch. Zur Vorpremiere ihrer Inszenierung von Giuseppe Verdis „La Traviata“ am römischen Teatro dell’Opera liefen am Sonntagabend Stars wie Keira Knightley und Kim Kardashian über den roten Teppich, internationaler Jetset reiste an. Das Bühnenbild stammt von US-Filmdesigner Nathan Crowley, der unter anderem die „Batman“-Optik prägte, die Kostüme der Hauptfigur hat der italienische Modezar Valentino persönlich entworfen. Und allein der Name der Regisseurin garantiert schon höchste Aufmerksamkeit. Schließlich ist Sofia die Tochter des italienischstämmigen Hollywood-Regisseurs Francis Ford Coppola, hatte schon als Baby ihren ersten Kinoauftritt in dessen legendärer Trilogie „Der Pate“, wurde mit eigenen Filmen wie „Lost in Translation“ berühmt, für den sie einen Oscar bekam. Mit 44 Jahren gilt sie zudem als Stilikone und Muse des angesagten Modemachers Marc Jacobs.

Von Cannes direkt an den Tiber

Die Kritiker sind trotzdem enttäuscht von der Inszenierung. „Sieht gut aus, hat aber wenig zu sagen“, schrieb die britische Zeitung „The Guardian“ nach der Vorpremiere. Valentinos Kostüme seien zwar spektakulär, Coppolas Interpretation von Verdis Melodram bleibe aber traditionell und klischeehaft und unterscheide sich damit nur geringfügig von einer Provinztheater-Produktion. Die römische Tageszeitung „La Repubblica“ befand, dieser „Traviata“ fehlten Dramatik und Leiden: „Elegante Räume für ein pures Nichts“, so das Urteil.

Der „Corriere della Sera“ wiederum gab zu bedenken, dass der Sinn des Spektakels jenseits der Bühne liege. Es handele sich in diesem Fall eher um ein „Produkt“. Und das habe immerhin bewirkt, dass der rote Teppich direkt von den Filmfestspielen in Cannes an den Tiber weitergeflogen wurde, an ein Opernhaus, das bis vor kurzem noch als zweitklassig galt. Seit der letzten wirklich aufsehenerregenden Premiere in Rom, mit Maria Callas als „Norma“, seien 58 Jahre vergangen.

Roms Teatro dell’Opera, das stets im Schatten der Mailänder Scala stand, war bis zum vergangenen Jahr wegen eines Schuldenbergs von 25 Millionen Euro sogar von Schließung bedroht. Streiks von Chor und Orchester hatten immer wieder Negativ-Schlagzeilen gemacht, 2014 kündigte der Dirigent Riccardo Muti seine Zusammenarbeit auf, nachdem eine Premiere durch Arbeitsniederlegungen fast geplatzt wäre. Inzwischen hat der italienische Staat die Schulden übernommen, die Oper ist saniert, die Nachfrage nach Eintrittskarten gestiegen.

Und auf Glamour, Prominenz und Kultur-Schickeria zu setzen, ist ganz offenbar ein Rezept, um auch mit Opern Kasse zu machen. „La Traviata“ hat dem römischen Haus Rekordeinnahmen von 1,3 Millionen Euro aus dem Ticketverkauf beschert. Die 15 Vorstellungen sind fast ausverkauft.

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