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Als die Einheimischen Tampons trugen

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Von: Sylvia Staude

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Die Choreografin und Tänzerin Nelisiwe Xaba beim Fädeln von Tampons.
Die Choreografin und Tänzerin Nelisiwe Xaba beim Fädeln von Tampons. © Maurice Korbel

Nelisiwe Xabas fein ironische „Fremde Tänze“ beim Afropean-Festival im Frankfurter Mousonturm.

Die 1883 in Riga geborene Else von Carlberg machte in den 1910er/20er Jahren unter dem Namen Sent M’Ahesa Furore als „altägyptische“ Tänzerin. Sie warf dabei Musiken, Weltgegenden und Stile wild durcheinander und bediente ein nach Exotik gierendes Publikum mit scheinbar Authentischem, das aber vor allem ausgedacht war.

Die Choreografin Nelisiwe Xaba, geboren in Dube, Soweto, beschäftigte sich mit diesem eigentlich grotesken Abbild des Exotischen und erarbeitete im Rahmen einer Residenz am Theater Freiburg das (fast) Solo „Fremde Tänze“. Mousonturm-Dramaturgin Anna Wagner war in Frankfurt, wo Xaba im Rahmen des Afropean-Festivals gastierte, zuständig für die kleine „historische Einführung“ zu Sent M’Ahesa: Einige nötige und pfiffige Informationen, um das Kommende besser zu verstehen. Denn Nelisiwe Xaba kombiniert wie einst Carlberg wild und ohne Rücksicht auf tatsächliche Traditionen. Allemal aber dürften ihre „Fremden Tänze“ weit lustiger sein.

Mit einem „Triumphmarsch der Krapfen“ (Musik: Verdi) führt die Tänzerin zeremoniell vom Mousonturm-Bistro in die Studiobühne, um den Hals einen gebäckbestückten (Donuts, möchte man meinen) Riesenkragen, an den Füßen Stilettos. Es folgen unter anderem ein „Schwarzwaldtanz“, eine „Asiatische Phantasie“, ein „Derwisch-Tanz“ zu Musik von Nina Hagen. Zum diskreten Umziehen und für kurze Videoprojektionen steht auf der Bühne ein Zelt bereit. Eine Werbepause – die Kostüme von Franziska Jacobsen sind ziemlich aufwendig – bringt einen schwarz-weißen 50er-Jahre-Spot für Schokolade mit der Figur des „Sarotti-Mohren“. Ältere werden sich vermutlich erinnern.

Xaba imitiert die kräftige Mimik der Peking-Oper, ist dafür in der „Asiatischen Phantasie“ nur als Büste sichtbar. Das Schwarzwaldmädchen gibt sie als Schattenriss, die Disco-Queen (Musik: DJ Ganani) zuletzt in raffiniertem Fransen-Dress und -Kopfschmuck: Was da dekorativ um ihren Körper baumelt, sind lauter kleine Tampons. Als „Lebendes Bild“ (bei Völkerschauen waren diese nachgestellten Szenen einst beliebt) fädelt Nelisiwe Xaba am Ende weitere Tampons auf. Ein ironischer Authentizitäts-Kommentar.

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