Frankfurt

Wer einem den letzten Nerv raubt

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Farce und Tragödie: Katie Berglöfs „Happy Yet?“ im Internationalen Theater.

Das Stück endet tragisch, es beginnt als Farce. „Happy Yet?“, das von einer psychischen Erkrankung handelnde Debüt der in englischer Sprache schreibenden 23-jährigen schwedischen Dramatikerin Katie Berglöf, geht auf eine eigene familiäre Erfahrung zurück. Einer beklemmenden Schockdramatik, etwa nach der Art von Sarah Kane, steht der Text fern. In knapper Rede gehen die Dialoge hin und her, es ist die angloamerikanische Theatertradition des gut gebauten Stücks, auf die Berglöf „Happy Yet?“ gründet. 2016 war es beim Edinburgh Festival Fringe zu sehen und im Jahr darauf am Londoner Courtyard Theatre. Nun gastierte die Offtheater-Produktion im Internationalen Theater in Frankfurt.

Die in Stockholm angesiedelte Geschichte wird in Schlaglichtern erzählt, auf einer rudimentär möblierten Bühne. Torsten, gespielt von David Beatty, ist an sich schon lange der Phase einer jugendlichen Suche entwachsen. Er lebt bei der Familie seines Bruders Henrik – Piers Hunt -, einem Professor, Typus liberaler Mittelstand. Um drei Uhr nachmittags liegt Torsten noch auf seinem Matratzenlager und spricht von hochfliegenden Plänen, die das Schreiben eines Theaterstücks betreffen. Selbstverständlich soll es ein gewaltiger Erfolg werden. Torsten kriegt aber nichts auf die Reihe. An sich ist er wohl ein ganz liebenswerter Kerl. Aber eben auch ein fiebrig getriebener Tunichtgut, der die Familie mit teils existenzgefährdenden Aktionen auf Trab hält.

In der Wirklichkeit tötet einem so einer den letzten Nerv, und auch in der Inszenierung von Imogen Wyatt Corner ist zu sehen, wie sehr Henrik und seine Frau Sally – Molly Merwin – an ihre Grenzen geraten. Auf der anderen Seite ist das Stück sehr lustig. Da steht plötzlich ein Polizist – Kit Loyd – im Haus und will Henrik belangen, weil Torsten nach einem von ihm verschuldeten Autounfall dessen Identität angenommen hat. Henrik schwätzt dem Polizisten etwas von einer gemeinsamen Militärzeit ein und geht mit ihm erst mal einen trinken ... Die Krönung: gleichfalls unter der Identität seines Bruders betreibt er den Verkauf von dessen Haus. Was man nicht alles machen könne mit dem Geld! Ein tiefes Verständnis verbindet ihn mit seiner Nichte Nina – Minnie Murphy –, einer Schulverweigerin.

Zu einem Gutteil ist das der Abend von David Beatty. Ganz fabelhaft weiß er das prekäre Charisma Torstens gegenwärtig zu machen, dessen Depression mit manischen Phasen einhergeht. Doch es sind quer durchs Ensemble fantastische Schauspieler, die auf der Bühne stehen, in einer in ihrer Schlichtheit tragenden Inszenierung.

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