Tanzmainz-Festival

Mit einem Lächeln

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Das zweite Tanzmainz-Festival beginnt mit "Bliss", einer herrlich leichtfüßigen Choreografie von Johan Inger.

Es war die reine, leichtfüßigste Tanz-Seligkeit: Denn mit (unter anderem) einer deutschen Erstaufführung der Choreografie „Bliss“ (engl. Glück, Seligkeit) von Johan Inger eröffnete das italienische Aterballetto im Großen Haus des Mainzer Staatstheaters das Tanzmainz-Festival #2. Neun Tage lang gehören nun alle Bühnen des Hauses dem Tanz. Die Ensembles kommen, zufällig, aus neun Ländern. Und so gut wie ausverkauft sind alle Aufführungen auch schon seit längerem. Nun hat zwar schon Martin Schläpfer, mittlerweile Ballettchef bei der Deutschen Oper am Rhein, die Mainzer nachhaltig für die dritte Sparte begeistert. Aber Ballettdirektor Honne Dohrmann hat vor zwei Jahren mit Tanzmainz #1 bereits eine gute Hand für die Programmierung bewiesen. Möge es mit #2 so weitergehen.

Das in Reggio Emilia beheimatete Aterballetto, künstlerisch geleitet von der ehemaligen Ballerina Cristina Bozzolini, ist in einem nicht gerade für seine Tanzensembles bekannten Land das renommierteste. Und wohl auch beste. Die Wandelbarkeit seiner Tänzerinnen und Tänzer beweist es in Mainz mit einem dreiteiligen Abend. Von Andonis Foniadakis ist das 35-minütige „Antitesi“, eine, wie der Titel verspricht, auf Gegensätze, auf elektronisch dräuende wie barocke Musik bauende Choreografie. Ihr Rahmen sind ein Mann mit zwei Leuchtstäben und eine Frau mit einer Leuchtkugel, dazwischen wechselt das Ensemble Kostüme – schwarze Häkelhemden, zarte hellblaue Gazeröckchen, Hautfarbenes –, aber auch Stile in rasender Geschwindigkeit.

Auch in Stuttgart bei Gauthier Dance war kürzlich ein Foniadakis-Stück zu bewundern, offenbar setzt der Grieche auf schiere, atemberaubende Virtuosität und einen eklektizistischen, wenn auch stark klassisch grundierten Bewegungsmix. In „Antitesi“ fallen die vielen rasanten Hebefiguren auf, doch auch plötzlich Männer in Spitzenschuhen. Sie sind in einer Szene mit größter Selbstverständlichkeit unter die Frauen en pointe gemischt.

Gegensätze spannt auch Philippe Kratz in dem kleinen Duo „Hybrid“ zusammen, der Mann (Valerio Longo) lässig assistierend, die Frau (großartig: Martina Forioso) schlenkernd und gleitend, jazzige, körperstürzende Elemente und sogar einen Moonwalk auf Spitze einbauend. Flirrend wie der Tanz ist hier die Musik von Romare.

„Hybrid“ schafft eine feine Überleitung zu Johan Ingers „Bliss“: Das berühmteste und meistverkaufte Jazz-Album, Keith Jarretts „The Köln Concert“, und daraus den ersten, 26 Minuten langen Teil hat der schwedische Choreograf mutig ausgewählt – und passgenau, charmant, scheinbar anstrengungslos choreografiert. Jedenfalls wirken die Tänzer gut gelaunt und anstrengungslos, aber es sitzt doch jeder Fuß- und Armschlenker, jede Kopfneigung, jeder Hopser, jedes Po- und Hüftwackeln. Bisweilen meint man, eine zarte Ironie durchschimmern zu sehen – aber dies ist allemal ein Tanzstück, in das man nichts hineininterpretieren muss.

Auf- und Abgänge gestalten sich wie von selbst, mal gibt es ein kleines Solo oder Pas de deux, mal fallen zwei Tänzer in einen Gleichschritt, mal das Ensemble, aber nur kurz, ehe es sich wieder zerstreut, wieder neu findet ... Hier wird keine Artistik zelebriert, aber es ist auch eine hohe Kunst, einen solchen Grad an Eleganz und Mühelosigkeit zu erreichen. Und das auch noch mit einem Lächeln auf den Lippen.

„Bliss“, das im vergangenen Jahr Uraufführung hatte, hellt – auch dank Keith Jarretts Musik natürlich – den Abend auf und macht einfach gute Laune. Und das auf hohem tänzerischen Niveau und mit choreografischer Raffinesse. So kann es bei Tanzmainz #2 weitergehen.

www.tanzmainz.com

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